Mutig gegen die Atommächte

Frankfurt a.M. (epd). In diesem Jahr gehen die Alternativen Nobelpreise nicht nur an Aktivisten, auch ein Minister und sein Volk erhalten einen Ehrenpreis: Tony de Brum ist Außenminister der Marshallinseln im zentralen Pazifik. Er hat sich als Streiter für eine atomwaffenfreie Welt und für den Klimaschutz einen Namen gemacht, wie die Right-Livelihood-Stiftung in Stockholm ihn am Donnerstag würdigte. Und die kleine Nation steht offenbar hinter ihm.

1945 geboren, wuchs de Brum in einer Zeit auf, da die USA bis 1958 insgesamt 67 Atomwaffentests im Gebiet der Inselgruppe unternahmen. Darunter war die "Bravo Shot" genannte Explosion einer Bombe über dem Bikini-Atoll, die tausend Mal stärker war als die Hiroshima-Bombe. Trotz Entseuchung blieben das Bikini- und das Enewetak-Atoll lange Zeit unbewohnbar.

Erst 1986 erlangten die über 1.000 Kilometer verstreuten Marshallinseln ihre volle staatliche Unabhängigkeit von den USA. Von 1886 bis zum Ersten Weltkrieg war die Inselgruppe deutsches Protektorat gewesen. Deutsche Firmen hatten dort Kopra aus Kokosnüssen für die Ölherstellung gekauft. Mit heute rund 53.000 Einwohnern und 181 Quadratkilometern reiner Landfläche - weniger als Frankfurt am Main - gehören die Marshallinseln zu den kleinsten Staaten der Erde. 

Und dennoch legt sich der Kleinstaat wie David gegen Goliath mit den neun Atommächten an: Außenminister de Brum verklagte 2014 die USA, Russland, Frankreich, Großbritannien, China, Indien, Pakistan, Israel und Nordkorea vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag. Per Urteil sollen die Atommächte bewogen werden, ihre Pflicht zur Abrüstung gemäß dem Atomwaffensperrvertrag zu erfüllen. Die "Nuclear Zero Lawsuits" genannten Verfahren dürften sich über Jahre hinziehen. 

"Unsere Leute haben unter dem katastrophalen und nicht wieder gutzumachenden Schaden dieser Waffen gelitten und wir schwören weiter zu kämpfen, damit kein anderer auf der Erde jemals diese Gräueltaten erlebt", sagte de Brum. Er streitet dafür, dass Opfer der Atomtests entschädigt werden und hat wiederholt gefordert, dass Washington detaillierte Informationen über die nuklearen Tests veröffentlichen soll. 1966 waren die verstrahlten Atolle der Marshallinseln zwar von den Amerikanern wieder als bewohnbar freigegeben worden, mussten jedoch Mitte der 70er Jahre wegen der Strahlenbelastung erneut evakuiert werden.

Auch als Klimaschützer hat sich de Brum profiliert. Denn seine Heimat liegt wie die Inselstaaten Tuvalu, Kiribati und die Malediven nur wenige Meter über dem Meeresspiegel. Steigt der Pegel des Ozeans infolge des Klimawandels, ist das eine existenzielle Bedrohung. De Brum kämpft daher für energische Schritte: Die Staatengemeinschaft soll die globale Erwärmung nicht auf zwei Grad Celsius begrenzen, sondern auf 1,5 Grad. 2013 hatten die Marshallinseln auch an den UN-Sicherheitsrat in New York appelliert, den Klimawandel als Gefahr für die internationale Sicherheit anzuerkennen.