Münkler: 30-jähriger Krieg und Konflikte im Nahen Osten sind ähnlich

Hannover/Berlin (epd). Der Berliner Politikwissenschaftler Herfried Münkler sieht Parallelen zwischen dem 30-jährigen Krieg von 1618 bis 1648 und heutigen Kriegen wie etwa denen im Nahen und Mittleren Osten. In beiden Fällen würden Verfassungskonflikte überlagert von einer Auseinandersetzung um den Einfluss von Religion und Konfession, sagte Münkler der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" (Dienstag). Auch im über Jahre ausgehandelten "Westfälischen Frieden" von 1648 sieht er Ansatzpunkte, die zu einer Lösung der Nahost-Konflikte beitragen könnten.

Im 30-jährigen Krieg hätten Reformierte gegen die Vertreter der Gegenreformation gekämpft. Im Nahen Osten gebe es Auseinandersetzungen zwischen Sunniten und Schiiten sowie Islamisten und koptischen Christen, sagte der Autor des gerade erschienenen Buches "Der Dreißigjährige Krieg: Europäische Katastrophe, deutsches Trauma 1618- 1648". Hinzu komme noch das Ringen um die Vorherrschaft in der jeweiligen Region - damals zwischen Spanien und Frankreich um die Hegemonie in Europa. Im Nahen Osten sei dies die Auseinandersetzung zwischen dem Iran, Saudi-Arabien, der Türkei und demnächst wahrscheinlich auch wieder Ägypten. 

Im Westfälischen Frieden sei es schließlich gelungen, "Staatenkrieg, Religionskrieg, Verfassungskrieg sowie den Hegemonialkrieg in Europa so voneinander zu entzerren, dass alles einzeln verhandelbar war", betonte Münkler. Insofern könnten langen und mühseligen Verhandlungen ein Vorbild sein für einen Frieden im Nahen und Mittleren Osten. Sie machten aber deutlich, "was für ein kolossales Projekt ein solcher Friedensschluss ist".