Mindestens 11 Tote bei Luftangriff auf Klinik im Jemen

Berlin (epd). Bei einem Luftangriff auf ein Krankenhaus von "Ärzte ohne Grenzen" im Jemen sind mindestens elf Menschen ums Leben gekommen. Rund 20 Menschen wurden verletzt, teilte die Hilfsorganisation am Dienstag mit. Bei der Bombardierung am Montag handelte es sich den Angaben zufolge um den vierten Angriff auf eine von "Ärzte ohne Grenzen" unterstütze Einrichtung im Jemen in weniger als zwölf Monaten. Hilfswerke wie Oxfam, Care und "Save the children" verurteilten die militärische Attacke und forderten eine unabhängige Untersuchung. 

Laut "Ärzte ohne Grenzen" waren die GPS-Koordinaten des Krankenhauses im Ort Abs im Nordosten des Landes wiederholt allen Konfliktparteien mitgeteilt worden. Die Organisation machte die von Saudi-Arabien angeführte Allianz für den Angriff verantwortlich. 

Erneut sei ein voll funktionstüchtiges Krankenhaus zerstört worden, trotz der UN-Resolution zum Schutz medizinischer Einrichtungen und der Verpflichtungserklärungen zum internationalen humanitären Recht, beklagten die Helfer. Sie forderten die Konfliktparteien auf, Garantien zu geben, dass es einen solchen Angriff nicht noch einmal geben werde. 

"Ob Absicht oder das Ergebnis einer Fahrlässigkeit, das ist nicht akzeptabel", sagte die Koordinatorin der Hilfseinsätze im Jemen, Teresa Sancristóval. "Menschen werden getötet und verletzt, während sie medizinische Hilfe suchen." Unter den Toten ist auch ein Mitarbeiter von "Ärzte ohne Grenzen".

Oxfam, Care, "Save the Children" und "Handicap International" verlangten gemeinsam Aufklärung. "Politiker in aller Welt dürfen nicht länger ihre Augen vor dem Leid von unschuldigen und schutzlosen Menschen verschließen", mahnte der Landesdirektor von Oxfam im Jemen, Sajjad Mohammad Sajid. 

Das Krankenhaus behandelte seit Juli 2015 mehr als 4.500 Patienten. Es verfügte über 14 Notbetten, eine Geburtsstation und einen Operationssaal. In den vergangenen Wochen seien aufgrund der Konflikte immer mehr Verletzte in die Klinik gekommen, erklärte "Ärzte ohne Grenzen". Zum Zeitpunkt des Angriffs waren unter anderem 23 Menschen in Behandlung und 13 Neugeborene auf der Geburtstation. Durch den Angriff wurde das Gebäude teilweise zerstört. 

"Ärzte ohne Grenzen" arbeitet im Jemen in elf Krankenhäusern und Gesundheitszentren und unterstützt weitere 18 Spitäler. Insgesamt sind für die Organisation 2.000 Mitarbeiter vor Ort tätig. 

Seit März 2015 führt Saudi-Arabien im Jemen eine Militäroperation mit logistischer Unterstützung der USA, Großbritanniens und Frankreichs und unter aktiver Beteiligung von Bahrain, Katar, Kuwait und der Vereinigten Arabischen Emirate gegen schiitische Huthi-Rebellen. In den Konflikt sind auch jemenitische Ableger von Al-Kaida und der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) verwickelt. Laut UN starben im ersten Jahr der Angriffe über 3.000 Zivilisten.