Menschenrechtler: Vergewaltigung ist Kriegswaffe in Zentralafrika

New York/Frankfurt a.M. (epd). Menschenrechtler haben systematische sexuelle Gewalt im Bürgerkriegsland Zentralafrikanische Republik beklagt. Bewaffnete Gruppen setzten Vergewaltigung und sexuelle Sklaverei als systematische Kriegswaffen ein, erklärte Human Rights Watch am Donnerstag in New York. Die Kommandanten hätten diese Gräueltaten geduldet und in manchen Fällen sogar selbst befohlen.

In einem Bericht dokumentierte Human Rights Watch mehr als 300 Fälle sexueller Gewalt gegen Frauen und Mädchen zwischen 2013 und Mitte 2017, aber auch Männer würden Opfer. Die vorwiegend muslimischen Séléka-Milizen und die mit ihnen verfeindeten christlich dominierten Anti-Balaka nähmen mit Vergewaltigungen oft Rache für Überfälle der anderen Seite. 

"Die bewaffneten Gruppen setzten Vergewaltigung auf brutale und kalkulierte Weise ein, um Frauen und Mädchen zu bestrafen", sagte die Human-Rights-Expertin Hillary Margolis. Die Täter hätten oft hohe Positionen inne und blieben unbehelligt und straffrei. Viele Fälle sexueller Gewalt seien als Folter oder Kriegsverbrechen einzustufen. Die Menschenrechtler fordern die Regierung und die UN-Friedenstruppe Minusca auf, den überlebenden Opfern umfassende Hilfen anzubieten und Ermittlungen einzuleiten. Sexuelle Gewalt dürfe nicht geduldet werden. Auch Angehörigen der Minusca war sexueller Missbrauch vorgeworfen worden. 

Die Zentralafrikanische Republik kommt trotz mehrerer Friedensabkommen auch unter Präsident Faustin-Archange Touadéra nicht zur Ruhe. Die verfeindeten Milizen haben sich in mehrere Fraktionen aufgespalten. Der Konflikt begann nach dem Sturz von Präsident François Bozizé im März 2013. 

Mehr als 1,1 Millionen Menschen sind laut den Vereinten Nationen geflohen, ein Fünftel der Bevölkerung. Angesichts der ausufernden Gewalt soll die Friedenstruppe Minusca aufgestockt werden, die derzeit etwa 13.000 Soldaten und Polizisten umfasst.