"Menschen töten mit Schusswaffen, solange man sie lässt"

Winnenden (epd). Zehn Jahre nach dem Amoklauf von Winnenden setzt sich die Initiative "Keine Mordwaffen als Sportmordwaffen!" weiter für ein Verbot tödlicher Schusswaffen ein. Seit dem Amokauf an einer Schule seien in Deutschland mindestens 80 Menschen mit Schusswaffen von Sportschützen getötet worden, sagte der Sprecher der Initiative Roman Grafe im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Sein  Buch "Spaß und Tod. Vom Sportwaffen-Wahn - Opfer, Täter, Lobbyisten" erscheint am 11. März im Mitteldeutschen Verlag (Halle). 

Die Verschärfung des Waffenrechts nach dem Winnender Amoklauf bezeichnet Grafe als "Mythos". Es habe zwar Veränderungen im Waffenrecht gegeben, vor allem um die Angst der Bürger zu besänftigen. "Es gibt keine wirksamen Schutzmaßnahmen außer einem Verbot tödlicher Schusswaffen", sagte Grafe im Gespräch mit dem Evangelische Pressedienst (epd). 

Sportschützen sagten zudem oft, dass auch Autos und Messer töten könnten. "Wahrscheinlich kann man auch eine Melone als Waffe benutzen", entgegnet Grafe. Diese sei aber wie Autos und Messer nicht fürs Töten oder Verletzen gemacht, anders als Schusswaffen. "Menschen töten mit Schusswaffen, auch mit legalen, solange man sie lässt." Wenig bekannt sei zudem, dass die Tötungsdelikte zu mehr als 95 Prozent durch die Waffeninhaber selbst begangen werden. 

Das Argument, Deutschland habe ein sehr scharfes Waffenrecht, bezeichnet Grafe ebenfalls als "Schützen-Propaganda". Das schärfste Waffenrecht in Demokratien gebe es in Japan. Dort sei der Privatbesitz tödlicher Waffen grundsätzlich verboten. In Europa habe allein Großbritannien ein verschärftes Waffenrecht. Dort erging 1997 ein Verbot privater Faustfeuerwaffen. 

Auch die "anlasslosen, unangekündigten Kontrollen" bei Sportschützen, zur Überprüfung, ob diese ihre Waffen sachgerecht im Tresor lagern, hält Grafe nicht für ausreichend. Schon am Tag nach einer Kontrolle könnten die Waffen wieder offen herumliegen.  

Jedermann könne Mitglied bei Schützenvereinen werden und so an scharfe Waffen rankommen. Das gelte für Extremisten, psychisch kranke Menschen, Alkoholiker genauso wie für "normale" Menschen, die dann unter bestimmten Umständen ebenfalls zur Waffe greifen. 

Eine Mitschuld sieht Grafe auch bei den Waffenherstellern. Diese seien moralisch mitverantwortlich für die Toten durch Sportwaffen, meint Grafe. In den USA seien jedoch alle Klagen gegen Waffenhersteller diesbezüglich gescheitert. 

Beim Amoklauf von Winnenden hatte der 17-jährige Tim K. am 11. März 2009 mit einer Sportwaffe 15 Menschen getötet, bevor er sich selbst das Leben nahm.