Massenproteste setzen Maduro unter Druck

Caracas/Frankfurt a.M. (epd). Nach den gewaltsamen Massenprotesten mit drei Toten ist die Lage in Venezuela weiter gespannt. Die Opposition rief für diesen Donnerstag zu weiteren Demonstrationen gegen den sozialistischen Präsidenten Nicolás Maduro auf. Seine Gegner fordern baldige Wahlen, die Freilassung politischer Gefangener, eine ausreichende Versorgung mit Lebensmitteln und Medikamenten sowie die Respektierung des Parlaments. 

Am Mittwoch setzten die Sicherheitskräfte Tränengas gegen Hunderttausende Demonstranten in der Hauptstadt Caracas und anderen Städten ein. Ein 17-jähriger Student und eine 23 Jahre alte Frau wurden nach Medienberichten erschossen. Augenzeugen machten Mitglieder von Motorrad-Milizen für die tödlichen Schüsse verantwortlich. Nach Regierungsangaben wurde auch ein Angehöriger der Nationalgarde getötet. Damit erhöhte sich die Zahl der Toten seit Beginn der Protestwelle vor zwei Wochen auf mindestens acht.

Menschenrechtler der Organisation Foro Penal berichteten von landesweit mehr als 500 Verhafteten allein am Mittwoch. In Caracas versammelten sich auch Tausende Anhänger Maduros. "Wir haben einen terroristischen Putsch zu Fall gebracht", erklärte der Präsident vor seinen Sympathisanten laut dem Sender Telesur. 

US-Außenminister Rex Tillerson warnte die sozialistische Führung Venezuelas. "Wir sind besorgt, dass die Regierung Maduro ihre eigene Verfassung verletzt und der Opposition nicht erlaubt, dass ihre Stimmen gehört werden", sagte er in Washington. Die US-Regierung verfolge die Situation genau. 

Der argentinische Präsident Mauricio Macri forderte Maduro im Namen mehrerer lateinamerikanischer Länder zu vorgezogenen Neuwahlen auf. Der in Caracas lebende deutsche Pfarrer Lars Pferdehirt warnte, die Gewalt in Venezuela drohe zu eskalieren. Ein Bürgerkrieg sei nicht auszuschließen, sagte er dem Südwestrundfunk. 

Auslöser der Protestwelle war die vorübergehende Entmachtung des von der Opposition dominierten Parlaments durch das Oberste Gericht Ende März. Seit Jahren liefern sich Sozialisten und das bürgerliche Lager in Venezuela einen erbitterten Machtkampf. Die Opposition wirft der Regierung Misswirtschaft und eine Aushöhlung des Rechtsstaats vor. 

Präsident Maduro beschuldigt die Kritiker, einen Umsturz zu provozieren. Die Lage ist zudem angespannt, weil Venezuela mit seinen mehr als 30 Millionen Einwohnern unter anderem wegen des Ölpreisverfalls eine schwere Wirtschafts- und Versorgungskrise durchlebt. Viele Güter des täglichen Bedarfs sind Mangelware.