Marx kritisiert Instrumentalisierung von Religion in Russland
Auch in Russland wird Religion missbraucht, um Krieg zu führen. Der Münchner Erzbischof Reinhard Marx kritisiert den russischen Patriarchen als Häretiker und sagt: "Wir besitzen die Wahrheit nicht."
München (epd). Kardinal Reinhard Marx hat die Instrumentalisierung von Religion für Politik, Gewalt und Krieg scharf kritisiert. „Was der Patriarch von Moskau sagt, ist Häresie“, sagte der Erzbischof von München und Freising am Mittwochabend an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) bei einer Podiumsdiskussion. Deren Thema war, wie in Russlands hybriden Krieg gegen die Ukraine, auch die Auflösung von Wahrheit zur Sicherheitsfrage wird. Sie fand im Rahmen eines theologischen Friedenssymposiums anlässlich der Münchner Sicherheitskonferenz statt.
„Wir sehen überall eine Instrumentalisierung von Religion, manche religiösen Führer lieben die Nähe zur Macht“, sagte Marx. Religion dürfe nicht an der Seite der Mächtigen, sondern müsse an der Seite der Schwachen und Opfer stehen. Zudem dürften sich religiöse Vertreter in ihren Ansprüchen nicht über andere stellen: „Wir besitzen die Wahrheit nicht. Jeder Mensch ist ein Bild Gottes, wir sind alle Brüder und Schwestern.“
Symposium zu religiösen Dimensionen von Sicherheit
Der Erzbischof zeigte sich schockiert über einzelne Parallelen in der russischen Propaganda und Äußerungen in der US-Politik, wo sich vermehrt antiliberale, Freiheit oder Solidarität unterminierende Tendenzen fänden. Dagegen müsse sich Europa neu auf seine Werte besinnen, forderte er: „Wir brauchen eine Erneuerung unserer Position, unserer Ideen, eine Verständigung auf unsere gemeinsamen Werte.“
Veranstalter des zweitägigen Symposiums „Moral and Religious Dimension of Security“ ist die LMU in Kooperation mit der Ukrainian Catholic University Lviv und der University of Notre Dame (Indiana/USA), unterstützt von der Erzdiözese München und Freising sowie dem Hilfswerk Renovabis. Auf dem Podium diskutierten auf Englisch der Osteuropahistoriker Karl Schlögel, der ukrainische Menschenrechtsaktivist Maksym Butkevych, Professorin Katrin Boeck aus Regensburg und Professorin Regina Elsner aus Münster sowie der polnische Botschafter in Deutschland, Jan Tombinski.