Malteser beklagen fortdauernde Gewalt gegen syrische Zivilisten

Köln/Idlib (epd). Die Hilfsorganisation Malteser International fordert mehr Aufmerksamkeit für das andauernde Leiden der Zivilbevölkerung in Teilen Syriens. Mit der Einrichtung sogenannter Deeskalations-Zonen in vier Landesteilen sei zwar ein Rückgang der Gewalt erreicht worden, erklärte Janine Lietmeyer, Länderkoordinatorin für Syrien und die Türkei. Allerdings würden auf die Region Idlib, die zusätzlich zu 1,5 Millionen Einwohnern noch eine Million intern vertriebene Menschen aufnehmen musste, seit November wieder massive Luftangriffe geflogen. 

"Mehr als 100.000 Menschen sind vor den Bombardierungen und Bodengefechten aus der Stadt Idlib in die Grenzregion zur Türkei geflohen, wo die Lebensumstände nach sieben Jahren Krieg erbärmlich sind", schilderte Lietmeyer. Für diese Menschen, von denen einige zum zweiten oder dritten Mal vertrieben wurden, gebe es keine ausreichenden Unterkünfte. Die Aufnahmekapazitäten der Vertriebenenlager seien erschöpft. 

"Die Dominanz der Al-Kaida-Organisation Hayhat Tahir al-Sham in der Region, die auch die humanitären Aktivitäten zu kontrollieren versucht, verkompliziert die Situation zusätzlich", erklärte die Koordinatorin. Sie forderte, politische und diplomatische Bemühen darauf zu richten, zumindest die humanitäre Hilfe zuzulassen.

Die Malteser stellen nach eigenen Angaben kurzfristig Nothilfemittel zur Verfügung, um von der Türkei aus Matratzen und Decken für 1.000 Familien nach Idlib im Nordwesten des Landes zu bringen. Seit 2013 arbeitet Malteser International mit syrischen Partnerorganisationen in den Vertriebenencamps zusammen.