Mali: Mutmaßlicher Kriegsverbrecher an Strafgerichtshof überstellt
Den Haag (epd). Der Internationale Strafgerichtshof macht einem weiteren mutmaßlichen Kriegsverbrecher aus Mali den Prozess. Der Chef einer islamistischen Miliz, Al Hassan Ag Abdoul Aziz Ag Mohamed Ag Mahmoud, wurde am Samstag nach Den Haag überstellt, wie das Gericht in der Nacht zum Sonntag mitteilte. Dem 40-Jährigen werden Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen vorgeworfen, die er während der Besetzung der Stadt Timbuktu 2012 und 2013 begangen haben soll.
Al Hassan war den Anklägern zufolge Anführer der Sittenpolizei und Mitglied der islamistischen Gruppe Ansar Dine, die vor rund fünf Jahren Teile des westafrikanischen Landes kontrollierte. Er soll für Verbrechen an der Zivilbevölkerung verantwortlich sein, darunter Verfolgung aus religiösen Gründen, sexuelle Sklaverei und die Zerstörung von Kulturgütern in Timbuktu. Bei einer Verurteilung droht ihm eine Haftstrafe von maximal 30 Jahren.
Chefanklägerin Fatou Bensouda begrüßte die Festnahme und Überstellung Al Hassans. Dies sende eine klare Botschaft an jene, die schwere Verbrechen begingen, dass die Anklagebehörde in Den Haag ihre Arbeit unerschütterlich erledige. Wann das Verfahren gegen Al Hassan eröffnet wird, ist noch offen.
Im Sommer 2016 verurteilte der Strafgerichtshof bereits Ahmad al-Faqi al-Mahdi zu neun Jahren Haft. Der malische Islamist wurde der Zerstörung von neun Mausoleen und einer Moschee in Timbuktu für schuldig befunden. Neun der heiligen Stätten waren Teil des Weltkulturerbes der Unesco. Der Strafgerichtshof verfolgt Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen.