Liedermacher Wecker unterstützt Träger des Göttinger Friedenspreises

Göttingen (epd). Die Vergabe des diesjährigen Göttinger Friedenspreises an den Verein "Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost" bleibt heftig umstritten. Ein "Bündnis gegen Antisemitismus und Antizionismus" kündigte am Dienstag eine Protestaktion gegen die Verleihungsfeier an diesem Samstag an. "Wir halten diese Preisvergabe an eine dediziert antiisraelische und antizionistische Organisation für untragbar", heißt es in einem Aufruf, der im Internet verbreitet wurde. Das Bündnis werde die Preisverleihung in einer privaten Galerie "mit einer Kundgebung vor Ort kritisch begleiten". 

Zuvor hatten unter anderen der Zentralrat der Juden in Deutschland und der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, die "Jüdische Stimme" als antisemitisch kritisiert und eine Absage der Verleihung gefordert. Sie begründeten das mit einer Nähe des Vereins zur Boykott-Kampagne BDS (Boykott, Desinvestitionen, Sanktionen) gegen Israel. Diese Bewegung ruft wegen der Besetzung Palästinas immer wieder zu Boykott-Aktionen gegen Israel auf. 

Wegen der Vorwürfe hatten die Universität, die Stadt und die Sparkasse in Göttingen ihre Unterstützung für die Preisverleihung zurückgezogen. Sie kann deshalb nicht wie sonst in der Aula der Hochschule stattfinden. Die Stiftung Dr. Roland Röhl, die den Friedenspreis seit 1999 vergibt, hält aber an der Auszeichnung der "Jüdischen Stimme" fest und bekam für diese Entscheidung bundesweit und international auch Zuspruch.

Auch der Liedermacher und Friedensaktivist Konstantin Wecker verteidigte die Preisvergabe. Für ihn seien Vorwürfe, dass es sich bei der Organisation um eine antisemitische Bewegung handeln solle, "nicht nachvollziehbar", heißt es in einem am Dienstag bekanntgewordenen Offenen Brief Weckers an die Stadt, die Universität und die Sparkasse Göttingen. Wecker hatte im vergangenen Jahr den Göttinger Friedenspreis erhalten. Bei dem aktuellen Preisträger handele es sich um einen Verein, der sich in seiner Satzung uneingeschränkt jeder Form von Antisemitismus, Antiislamismus sowie allen anderen Spielarten des Rassismus oder der Diskriminierung von Menschen widersetze.

"Eine Bewegung, die sich auf derart großartige und menschliche Weise um eine Beendigung der entsetzlichen Konflikte zwischen Juden und Palästinensern bemüht, straft derart abstruse Antisemitismus-Unterstellungen von Grund auf Lügen," schreibt Wecker. 

Vor dem Hintergrund der Auseinandersetzung um den Preisträger hat die Preisjury unterdessen ein Symbol und einen Ansteckknopf mit dem Aufdruck "Shalom" in hebräischer und "Salaam" in arabischer Sprache entworfen und in Umlauf gebracht. Darauf ist das Wort "Frieden" auch in deutscher, englischer und französischer Sprache gedruckt.