Landesbischof: Religionen haben Verantwortung für den Frieden
Karlsruhe (epd). Judentum, Christentum und Islam müssen nach Auffassung des badischen evangelischen Landesbischofs Jochen Cornelius-Bundschuh gemeinsam Verantwortung für eine gerechte und friedliche Welt übernehmen. Beim Empfang des Deutsch-Israelischen Freundeskreises im Stadt- und Landkreis Karlsruhe appellierte er am Dienstagabend nach Angaben der Landeskirche an die Religionsgemeinschaften, gemeinsam einzutreten für eine gerechte Zukunft für alle Menschen.
Es gebe derzeit "bedrohliche Anzeichen von Antisemitismus" in der deutschen Gesellschaft, sagte der Landesbischof. "Da werden Stolpersteine aus den Straßen gerissen, da werden israelische Flaggen verbrannt, da werden jüdische Mitbürger offen angefeindet und bedroht", zählte er auf. Mindestens so gefährlich seien untergründige Strömungen von Antisemitismus. "All dem müssen wir mit klaren Worten und allen rechtsstaatlichen Mitteln widerstehen", betonte er.
Mittel- und langfristig seien Begegnungen und Freundschaften nötig "als Gegenmittel gegen Pauschalisierungen und Vorurteile". Einbezogen werden müssten "auch jene Menschen, die bei uns mit ihren Feindbildern gegen Israel zugewandert sind", sagte der Bischof.
"Wir haben eine Schuldgeschichte der christlichen Religion gegenüber dem Judentum mit zu verantworten", sagte Cornelius-Bundschuh mit Hinweis auf die judenfeindliche Haltung des Reformators Martin Luther und deren Folgen. Es reiche auch nicht, dass sich andere Reformatoren wie Philipp Melanchthon, Justus Jonas oder Andreas Osiander für den Schutz der jüdischen Minderheit einsetzten. Die notwendige theologische Kritik an Luthers Antisemitismus müsse Folgen haben: Sie müsse dazu führen, dass "wir Wege finden, unseren jeweiligen Glauben nicht gegeneinander, sondern miteinander zu leben" und dadurch Versöhnung und ein neues Miteinander fördern.