Kommunikationsexperte: Wort der Kirche zum Frieden verpufft

"Gegen Null" sind die Chancen der evangelischen Kirche, dass ihre neue Friedensdenkschrift bei einem breiten Publikum ankommt, sagt der Kommunikationswissenschaftler Gerhard Vowe. Diese sei ein "Monolog", ein wirklicher Austausch sei unerwünscht.

Landau (epd). Die neue Friedendenkschrift der evangelischen Kirche erreicht nach Einschätzung des Düsseldorfer Kommunikationswissenschaftlers Gerhard Vowe die breite Öffentlichkeit nicht. Dias Dokument sei ein schwer verständlicher „Monolog der Kirche“ und verpuffe ungehört, sagte Vowe am Freitag in Landau bei einer Tagung der Evangelischen Akademie der Pfalz. Die Friedensdenkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) will Impulse für eine christliche Friedensethik in einer sich verändernden Weltlage bieten.

Die Wortlastigkeit der rund 150-seitigen Denkschrift ohne visuelle Elemente wie Fotos oder Grafiken „treibt die Vermittlungschancen in einer multimedialen Welt gegen Null“, kritisierte Vowe. Fraglich sei es, ob der „autoritative Impuls“ der Kirche wirklich einen Dialog mit den Menschen anstoßen wolle. Wünschenswert wäre es, das Dokument auf verschiedene Empfängerinnen und Empfänger besser auszurichten, etwa durch Leichte Sprache. Grundsätzlich müsse die Kirche eine bessere Kommunikationskultur pflegen, sagte Vowe.

Klare Aussagen in Denkschrift vermisst

Deutschlandfunk-Redakteurin Luisa Meyer kritisierte, dass die Denkschrift klare Aussagen zu aktuellen Konflikten vermeide. Der Gaza-Krieg werde etwa überhaupt nicht erwähnt. Deutlicher müsste die Position der Kirche in der Friedensfrage werden, sagte Meyer, die der Redaktion „Aus Religion und Gesellschaft“ des Deutschlandfunks angehört. Sie bemängelte zudem, dass die Kirche sich zu sehr an der Sicherheitspolitik der Bundesregierung mit ihrem „neuen Realismus“ orientiere. „Müsste Kirche nicht ein wenig mehr gegen den Strich bürsten?“, fragte Meyer.

Veranstalter der Tagung war die Evangelische Akademie der Pfalz in Kooperation mit der Friedensakademie Rheinland-Pfalz und dem Friedensinstitut der Evangelischen Hochschule Freiburg.