Kommandeur Hannemann sieht positive Entwicklung in Afghanistan
Hamburg (epd). Der Kommandeur der internationalen Truppen in Nord-Afghanistan, Brigadegeneral Andreas Hannemann, sieht eine positive Entwicklung in dem Land. "Die Erfolge sind gigantisch", sagte Hannemann dem "Hamburger Abendblatt" (Freitagausgabe). In ganz Afghanistan seien Schulen für Frauen wieder geöffnet. Viele Regionen seien mit Wasser und Strom versorgt. Vor allem der Norden des Landes werde immer friedlicher. Notwendig sei aber weiterhin finanzielle Hilfe für Bildung und Unternehmen.
Hannemann räumte sein, dass die Verluste der afghanischen Sicherheitskräfte derzeit sehr hoch seien. Die Verluste der Gegner seien aber noch höher. Es sei den Taliban nicht gelungen, irgendeine Region dauerhaft unter ihre Kontrolle zu bringen, weil die afghanische Armee sie immer wieder zurückgedrängt habe. Die dortigen Streitkräfte befänden sich in einem Übergang. Sie könnten die anstehenden Aufgaben noch nicht so gut bewältigen wie die Internationale Schutztruppe Isaf unter Führung der Nato, deren Einsatz Ende 2014 endete. Dies versuchten die Taliban auszunutzen.
Die Bundeswehr berate als Teil der neuen Nato-Mission die Armee. Hannemann: "Wir leisten militärische Entwicklungshilfe." Ende 2016 läuft das Mandat für den Einsatz der letzten 850 Bundeswehrsoldaten aus. Ob die Zeit reiche, könne derzeit nicht vorhergesagt werden, betonte der Kommandeur. "Im Herbst werden wird melden, was wir erreicht haben und was wir noch erreichen können." Dann müssten die Nato-Verteidigungsminister ihre Strategie beraten.
Seit dem Ende der Nato-Kampfmission haben Gewalt und Unsicherheit in Afghanistan wieder zugenommen. Selbst in der lange als relativ sicher geltenden Hauptstadt Kabul häufen sich Geiselnahmen und Anschläge. Nach offiziellen Angaben sterben jede Woche etwa 300 afghanische Soldaten beim Kampfeinsatz. Es trifft aber auch die Bevölkerung: Laut der UN-Mission in dem Land wurden in den ersten drei Monaten 2015 mehr als 650 Zivilisten bei Kampfhandlungen zwischen Taliban und Armee getötet.