Kirchenpräsident Jung fordert mehr Einsatz gegen Rassismus
Limburg (epd). Der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung hat die Christen dazu aufgerufen, entschiedener gegen Rassismus und Populismus einzutreten. In der Gesellschaft nehme die Aggressivität zu und immer öfter seien menschenverachtende Töne zu hören, sagte Jung am Sonntag in der Reihe der Fastenpredigten des Limburger Domkapitels. Aus christlicher Sicht sei es nicht hinnehmbar, wenn Ängste geschürt oder Menschengruppen pauschal verunglimpft würden.
Im Christentum sei die Erkenntnis zentral, dass Gott sich in Jesus Christus allen Menschen zugewandt habe, sagte Jung. "Gottes Liebe gilt allen Menschen - wer auch immer sie sind, wo auch immer sie herkommen, was auch immer sie glauben." Im Glauben an Christus könne man nur jeder Form von Diskriminierung und jeder Form von Rassismus entgegentreten.
Für die evangelische Kirche ist es nach Jungs Worten deshalb wichtig, sich im Jahr des 500. Reformationsjubiläums mit den antijüdischen Äußerungen Martin Luthers auseinanderzusetzen und sie zurückzuweisen. Der Reformator hatte sich vor allem in seinem Spätwerk immer wieder judenfeindlich geäußert.
Nach Ansicht Jungs ist an der Person Luther erkennbar, "wie erfahrene oder gefühlte Bedrängnisse Menschen in die Irre führen können". Davor sei niemand geschützt. Die Suche nach Halt und Orientierung bei Gott helfe jedoch, gravierenden Irrtümern vorzubeugen.
Die traditionellen Fastenpredigten im Limburger Dom stehen in diesem Jahr im Zeichen des 500. Reformationsjubiläums. Noch bis zum 2. April finden sie unter dem Titel "Heute noch ein Apfelbäumchen - Von der Kirchenspaltung zur Ökumene" statt. Sie beziehen sich auf einen dem Reformator Martin Luther zugesprochenen Satz: "Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen."