Kirchen in Hessen bieten Beratung für Wehrdienst-Entscheidung an

Die Frage nach der persönlichen Bereitschaft für einen Wehrdienst ist für viele auch eine Gewissens- und Glaubensfrage. Die evangelischen Kirchen in Hessen wollen junge Menschen unterstützen und schreiben sie an.

Darmstadt, Kassel (epd). Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) und die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) bieten jungen Menschen Informationen und eine ergebnisoffene Beratung für den Neuen Wehrdienst an, der seit 1. Januar in Kraft ist. Rund 20.000 junge Mitglieder von EKHN und EKKW, die in den kommenden zwölf Monaten 18 Jahre alt und von der Bundeswehr angeschrieben werden, erhielten auch eine Postkarte von ihrer Kirche, teilten die beiden Kirchen am Dienstag in Darmstadt und Kassel mit. Die Postkarte verweise auf die Internetseite www.deine-meinung.info mit Informationen rund um die Wehrpflicht.

Eine Entscheidung über einen Dienst in der Bundeswehr verlange Zeit, Orientierung und Unterstützung, sagte Pfarrerin Sabine Müller-Langsdorf, Referentin für Friedensarbeit im Zentrum Oekumene der beiden Landeskirchen. Die Seelsorgerin berät junge Menschen, Reservisten und Soldaten zur Kriegsdienstverweigerung und habe beobachtet, dass Themen wie Wehrdienst oder Krieg für viele junge Leute lange kaum eine Rolle gespielt hätten. Das habe sich mit dem Krieg Russlands gegen die Ukraine geändert.

Junge Menschen müssen Gefühle, Rechte und Pflichten sortieren

Manche sähen im Wehrdienst die beste Möglichkeit, zur Freiheit des Landes beizutragen, andere befürchteten, im Kriegsfall zur Armee geholt zu werden und Dritte lehnten jegliche Form von Gewalt für sich ab. „Junge Leute müssen eine Gemengelage von Gefühlen, Pflichten und Rechten für sich innerlich sortieren. Fragen von Frieden und Gewalt berühren ja auch das Gewissen“, sagte Müller-Langsdorf.

Auf der kirchlichen Internetseite gibt es neben Informationen zur Wehrpflicht auch Videos und Links zum Thema Gewissen, Kriegsdienstverweigerung und Freiwilligendienste sowie Beratungsmöglichkeiten. Für das persönliche Gespräch stünden Friedensfachleute sowie Referentinnen und Referenten aus der kirchlichen Jugendarbeit bereit. Die Kirchen wollten „einen sicheren, ergebnisoffenen Beratungsraum bieten“, heißt es in der Mitteilung: „Militärisch oder zivil - die evangelische Kirche sieht beide Wege als mögliche Beiträge zum Frieden.“