Katholischer Friedensethiker rät Ukraine zur Kapitulation

Vechta, Bamberg (epd). Der katholische Theologieprofessor und Friedensethiker Egon Spiegel hat der Ukraine zur Kapitulation geraten. Statt dem russischen Überfall militärisch zu begegnen, sollten die Ukrainer zu einem gewaltfreiem Widerstand übergehen, sagte der Professor der Universität Vechta der Mediengruppe Oberfranken (Mittwoch). Dies dürfe nicht mit Feigheit, Fatalismus oder Passivität gleichgesetzt werden. Das Gegenteil sei der Fall: Dem gewaltfreien Widerstand liege ein tiefes Gerechtigkeitsempfinden, Mut und der Wille, sich dem Aggressor entschieden entgegenzustellen, zugrunde.

Gegengewalt als Reaktion auf Gewalt sei nachvollziehbar, aber nicht alternativlos und auch nicht weitsichtig, sagte Spiegel. „Sie führt in eine sich zunehmend öffnende Spirale der Gewalt.“ Die kirchliche Friedensethik bejahe zwar das Recht auf Selbstverteidigung, schränke es aber auch ein, indem sie unter anderem zuvörderst alle gewaltfreien Mittel zur Konfliktbeilegung fordere. Wie in allen Kriegen sei auch im Falle der Ukraine das Spektrum gewaltfreier Mittel im Vorfeld der Entscheidung zum Krieg auch nicht nur rudimentär bemüht worden.

Dem Theologieprofessor zufolge hat Jesus Gewalt als Mittel der Konfliktlösung unmissverständlich und situationsunabhängig verworfen. Darum seien aus der Sicht Jesu militärische Mittel und also auch Waffenlieferungen keine Option. Frieden und Freiheit gründeten nicht auf Aufrüstung, sondern auf Sicherheitskonzepten und Verhandlungen, betonte Spiegel. „Eine Grundbedingung von Verhandlungen ist natürlich, dass der eine Partner dabei nicht gezwungen ist, in den auf ihn gerichteten Gewehrlauf des anderen zu schauen.“

Dass die Osterweiterung der Nato und auch die Einbindung der Ukraine in die EU aus russischer Perspektive als Bedrohung interpretiert werden könne, sollte der Westen seit der Kubakrise von 1968 nachvollziehen können. Damals hätten die Amerikaner unverhohlen mit einer nuklearer Antwort gedroht, sagte Spiegel.