Humanitäre Hilfe für Venezuela weiter blockiert

Berlin (epd). In Venezuela hält die Blockade von Hilfslieferungen an, die von Kolumbien aus eingeführt werden sollen. Das sozialistische Kuba warf unterdessen den USA vor, von der Karibik aus einen Militäreinsatz gegen Venezuela vorzubereiten. Es gebe "massive operationale Bewegungen" zum Flughafen in Puerto Rico, teilte das kubanische Außenministerium laut der Tageszeitung "El Nacional" am Donnerstag mit. "Die Vorbereitung einer Militäraggression gegen Venezuela unter dem humanitären Vorwand geht weiter", erklärte das Ministerium. 

Das US-amerikanische Puerto Rico ist neben Kolumbien und Brasilien ein Sammelpunkt für die von den USA verschickten Hilfslieferungen, die für Venezuela bestimmt sind Das südamerikanische Land leidet unter einer schweren Wirtschaftskrise mit einem Mangel an Nahrungsmitteln und Medikamenten. 

Der sozialistische Präsident Nicolás Maduro verweigert die Einfuhr von Hilfsgütern. Er spricht von einer "Show", mit der das venezolanische Volk gedemütigt werden solle. Zugleich sieht er sie als Vorwand für eine US-Militärintervention an. In der kolumbianischen Grenzstadt Cucuta warten Lastwagen mit etwa 100 Tonnen Hilfsgütern mit Lebensmitteln und Medikamenten auf die Genehmigung, die Grenze passieren zu dürfen. 

Das venezolanische Militär blockiert die Tienditas-Grenzbrücke nach Kolumbien. Wie die Tageszeitung "El Nacional" berichtet, wurden weitere Blockaden aus Zäunen und Draht errichtet. Die Hilfslieferungen waren auf Bitten der Opposition eingetroffen. Venezuelas selbst ernannter Interimspräsident, der Oppositionsführer Juan Guaidó, sagte, bis zu 300.000 hungernde Venezolaner seien akut vom Tod bedroht. 

Die Diakonie Katastrophenhilfe appellierte an alle Akteure in dem südamerikanischen Land, dringend benötigte Hilfe nicht zum Spielball politischer Interessen zu machen. "Es ist dramatisch, intolerabel und wirft kein gutes Licht auf beide Konfliktparteien, dass sie im Machtkampf um Venezuela humanitäre Hilfe ganz unverblümt als politisches Druckmittel einsetzen", sagte die Präsidentin des evangelischen Hilfswerks, Cornelia Füllkrug-Weitzel, in Berlin. 

Diese politische Instrumentalisierung verletze die Neutralität und damit eines der wichtigsten humanitären Prinzipien. Die Konfliktparteien nähmen "bewusst das Leid von Abertausenden in Kauf, statt Verantwortung für die Bevölkerung zu zeigen".

Auch der Weltkirchenrat richtete einen Appell an die politischen Führer in Venezuela und forderte sie auf, eine Eskalation des Konflikts "durch überstürzte Worte oder Handlungen zu vermeiden". Die Konsequenzen würden zu großem menschlichem Leid und einer Vertiefung der sozialen Kluft in Venezuela und der Region führen, hieß es in einer Erklärung.  

Der venezolanische Oppositionsführer und Parlamentspräsident Guaidó hatte sich im politischen Machtkampf mit Maduro am 23. Januar 2019 zum Übergangsstaatschef ausgerufen. Die Opposition akzeptiert Maduros Wiederwahl vom Mai 2018 nicht und wirft ihm Manipulationen vor. Inzwischen haben mehr als 40 Länder Guaidó anerkannt, darunter Kanada, viele lateinamerikanische Länder sowie zahlreiche EU-Staaten wie Deutschland, Frankreich und Spanien.