Hilfswerk vermisst abgestimmte deutsche Friedenspolitik

Stuttgart (epd). Deutschland fehlt nach Auffassung der Präsidentin des evangelischen Hilfswerks "Brot für die Welt", Cornelia Füllkrug-Weitzel, eine abgestimmte Friedenspolitik. Sicherheits-, Handels- und Außenwirtschaftspolitik sowie Armutsbekämpfung seien nicht kohärent, kritisierte die leitende Theologin am Donnerstag auf dem evangelischen Kirchentag in Stuttgart. Außerdem müsse der Westen "das Falsche stoppen": "Wir müssen nicht ständig über Korruption in Afrika reden, wenn genau das von uns ausgeht", mahnte Füllkrug-Weitzel mit Blick etwa auf den Fifa-Präsidenten Sepp Blatter.

Martin Kobler, Leiter der UN-Friedensmission Monusco in der Demokratischen Republik Kongo, kritisierte ein weltweites Ungleichgewicht zwischen den Ausgaben für militärische Interventionen und friedensschaffende Maßnahmen. So wollten die UN-Geberländer den jährlichen Etat der Vereinten Nationen für friedensschaffende Maßnahmen auf acht Milliarden US-Dollar deckeln: "Das ist der Betrag, den die USA in einem Jahr für den Betrieb ihrer Klimaanlagen im Irak und in Afghanistan ausgeben."

International fehle überdies der Mut, rechtzeitig gegen Regierungen vorzugehen, die ihre eigene Bevölkerung ausbeuteten und massakrierten. Frühwarnmechanismen für Krisen seien genügend vorhanden, es gebe auch genug Bücher über Konfliktprävention, sagte Kobler: "Aber wir tun es nicht." Dabei sei längst klar, dass oft nur zwischen zwei Übeln gewählt werden könne. Wer eingreife, könne sich schuldig machen, wer nicht eingreife aber auch. "Wir dürfen nicht nur dastehen und zuschauen, wie Massaker passieren und Frauen vergewaltigt werden."

Kobler unterstützte die Position von Füllkrug-Weitzel und fügte hinzu, um Krisen zu begegnen, müsse die Politik etwa durch einen gerechten Welthandel an die Wurzeln der Probleme gehen. Entwicklungshilfe alleine könne ein Land wie den Kongo nicht retten: "Wir brauchen Antibiotika und nicht nur immer Aspirin." Kobler verwies beispielsweise auf verschwindend geringe Erlöse für Rohstoffe zur Produktion von Mobiltelefonen, die in dem zentralafrikanischen Staat gewonnen werden. So bleiben von dem Erlös eines iPhones von Apple nur ein oder zwei Dollar im Kongo.