Hilfswerk: UN-Liste der Schande zu Kindersoldaten ist lückenhaft

Osnabrück (epd). Das Kinderhilfswerk terre des hommes hat die sogenannte "Liste der Schande" über Staaten oder Konfliktparteien, die Kinder als Soldaten rekrutieren, als unvollständig kritisiert. Die vom UN-Generalsekretär jährlich erstellte Liste habe in den vergangenen Jahren politisch motivierte Lücken enthalten, teilte das Hilfswerk am Donnerstag in Osnabrück mit. Es gehört dem Bündnis "Watchlist on Children in Armed Conflict" an, einem Zusammenschluss internationaler Kinder- und Menschenrechtsorganisationen. Das Bündnis hat die "Liste der Schande" von 2014 bis 2016 untersucht. 

Terre des hommes fordert UN-Generalsekretär António Guterres auf, in die Liste für 2017, die derzeit erstellt werde, weitere bewaffnete Gruppen aus zehn Ländern aufzunehmen. Diese agierten etwa in Indien, Pakistan, Thailand, Libanon und Libyen, sagte der Referent für Kinderrechte, Ralf Willinger. Diese Länder fehlten auf den Listen 2014 bis 2016, obwohl dort laut Bericht des Generalsekretärs seit Jahren schwere Kinderrechtsverletzungen stattfinden. 2015 und 2016 sei es Israel und Saudi-Arabien sogar durch politischen Druck gelungen, wieder gestrichen zu werden.

Politischer Einfluss auf der internationalen Bühne dürfe bei der Erstellung der Liste keine Rolle spielen, betonte Willinger. Sie werde in der Öffentlichkeit stark wahrgenommen und setze dort aufgeführte Akteure unter Druck. "Umso wichtiger ist es, dass sie vollständig ist." Nur dann könne sie als Druckmittel genutzt werden. Die Bundesregierung und andere wichtige Staaten wie die USA oder Frankreich sollten dem UN-Generalsekretär öffentlich den Rücken stärken, damit bei erneuten politischen Drohungen einzelner Staaten nicht länger Zugeständnisse gemacht würden. 

Die "Liste der Schande" ist Bestandteil des jährlichen Berichts des UN-Generalsekretärs zu Kindern in bewaffneten Konflikten, der zurzeit erstellt wird. Dort werden Konfliktparteien aufgeführt, die Kinder in bewaffneten Konflikten rekrutieren, töten, verletzen, entführen, sexuell ausbeuten oder Schulen und Krankenhäuser angreifen.