Hilfswerk kritisiert gezielten Beschuss von Zivilisten in Syrien
Genf (epd). Die Kriegsparteien in Syrien zwingen laut einer Studie Zivilisten durch Bomben und Raketenbeschuss mehrfach zur Flucht und zerstören gezielt ihre Lebensgrundlagen. Viele Vertriebene irrten monatelang in den Konfliktgebieten umher, heißt es in einem Bericht der Hilfsorganisation Handicap International, der am Donnerstag in Genf veröffentlicht wurde.
Mehr als 200 in den Libanon geflohene Syrer nannten gegenüber Handicap Bombardierungen, Granat- und Raketenbeschuss, Minendetonationen und den Einsatz anderer explosiver Waffen in Wohngebieten als Hauptgrund ihrer Vertreibung. Fast die Hälfte der Befragten gab an, dass sie innerhalb ihrer Heimatstadt mehrfach vertrieben wurde. Über die Hälfte flüchtete in eine oder mehrere andere Städte innerhalb Syriens.
Neun von zehn Befragten erklärten, dass die Explosivwaffen ihre Lebensgrundlagen und ihr Zuhause zerstört hätten. In vielen Fällen geschah dies sogar mehrfach, auch wenn sie sich nach ihrer Flucht innerhalb Syriens wieder eine bescheidene Existenz aufgebaut hätten.
Besonders hart träfen die Bombenangriffe Frauen. Sie litten unter der sozialen Zerrüttung, ohne sichere Zufluchtsorte lebten sie mit der ständigen Gefahr sexueller Übergriffe. Zudem würden sie eher Opfer krimineller Aktivitäten, hieß es.
Handicap International forderte Syriens Konfliktparteien auf, den Einsatz von Explosivwaffen in bevölkerten Gebieten zu stoppen. Die Organisation appellierte zudem an die Staatengemeinschaft, auf ein Ende des Beschusses hinzuwirken.
UN-Mitarbeiter machen regelmäßig die Streitkräfte des Machthabers Baschar al-Assad und die mit ihm verbündeten Streitkräfte Russlands für den Großteil der Angriffe mit Explosivwaffen verantwortlich. Die Assad-Armee und Russland verfügen im Gegensatz zu Rebellengruppen und Terrormilizen über Militärflugzeuge.
In Syrien kämpfen das Assad-Regime, Rebellen und Terroristen um die Macht. Seit Beginn der Gewalt 2011 starben mehrere Hunderttausend Menschen. Millionen Männer, Frauen und Kinder sind innerhalb und außerhalb des Landes auf der Flucht.