Gaza: Anlegestelle für humanitäre Hilfe in Betrieb

Mehr als eine Million Menschen in Gaza sind von einer Hungersnot bedroht. Seit Monaten gelangt zu wenig Hilfe ins Gebiet. Ein provisorischer Hafen soll nun Abhilfe schaffen - doch die Lieferungen über den Landweg können so kaum ersetzt werden.

Frankfurt a.M., Gaza-Stadt (epd). Medikamente, Nahrung und andere humanitäre Hilfsgüter können fortan direkt über den Seeweg in den Gaza-Streifen geliefert werden. Am Freitag wurde der von den USA errichtete provisorische Hafen für humanitäre Hilfe in Gaza in Betrieb genommen. Gegen neun Uhr morgens (Ortszeit) seien mit Hilfsgütern beladene Lkw über den Pier in den Küstenstreifen gelangt, teilte das Zentralkommando der US-Streitkräfte auf der Internetplattform X, vormals Twitter, mit.

Der Krieg zwischen Israel und der Hamas hat eine humanitäre Katastrophe im Gaza-Streifen ausgelöst. Über den Pier soll mehr humanitäre Hilfe in das umkämpfte Gebiet gelangen, in dem nach UN-Angaben 1,1 Millionen Menschen von einer Hungersnot bedroht sind. Die Versorgung der Zivilbevölkerung ist auch wegen der wiederholten Schließung von Grenzübergängen durch Israel schwierig.

Der Pier war nach US-Angaben am Donnerstag fertiggestellt worden. Die Verteilung der über den Seeweg gelieferten Hilfsgüter soll von den Vereinten Nationen koordiniert werden. In Zukunft könnten bis zu 150 Lkw-Ladungen pro Tag über den Pier abgewickelt werden. US-Streitkräfte seien nicht an Land gegangen, erklärte das Zentralkommando.

Deutschland beteiligt sich zunächst nicht an den Hilfslieferungen über den Seeweg. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte in Berlin, dass die Regierung mit relevanten Akteuren Gespräche dazu führe, um eine mögliche Unterstützung zu prüfen. Zwar seien erste Hilfslieferungen über den neu errichteten Pier umgeschlagen worden, aber praktische Fragen, wie die sichere Verteilung innerhalb Gazas, seien weiterhin offen.

Die Vereinten Nationen hatten am Donnerstag in New York abermals die Öffnung aller Grenzübergänge für humanitäre Hilfslieferungen angemahnt. Landrouten seien der praktikabelste und effektivste Weg, um Hilfe zu liefern, sagte der stellvertretende Sprecher von UN-Generalsekretär António Guterres, Farhan Haq. Die Hilfslieferungen für die Menschen im Gaza-Streifen sollten nicht allein von einem Schwimmdock abhängen.

Der jüngste Nahost-Krieg war durch den Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober ausgelöst worden. Als Reaktion überzog Israel den Gaza-Streifen mit einem massiven Bombardement und drang mit Bodentruppen in das Gebiet ein.

Um die Menschen in Gaza zu versorgen, wurde auch eine Luftbrücke eingerichtet, mit der Lebensmittel und Medikamente über dem Gebiet abgeworfen werden. An dem internationalen Einsatz beteiligt sich auch die Bundeswehr. Laut einem Sprecher des Verteidigungsministeriums sind bisher 250 Tonnen Hilfslieferungen über dem Gaza-Streifen abgeworfen worden. Die Abwürfe sind unter anderem wegen der vergleichsweise hohen Kosten umstritten.