Frühere Kindersoldaten bitten EU um Hilfe


Brüssel (epd). Ehemalige Kindersoldaten aus Kolumbien werben um die Unterstützung der EU für den weiteren Friedensprozess. Sie sei sehr dankbar für das Programm, das sie nach ihrer Zeit bei der Farc-Guerilla habe durchlaufen können, sagte die 19-Jährige Catalina am Montag bei einer Veranstaltung der katholischen Kirche in Brüssel. Sie hoffe nun, dass auch die vielen anderen Kindersoldaten ähnliche Chancen bekämen, sagte Catalina, deren Name aus Sicherheitsgründen geändert wurde.

Catalina hat in den vergangenen drei Jahren ein Wiedereingliederungsprogramm der Salesianer Don Boscos im kolumbianischen Medellin durchlaufen. Gemeinsam mit einem weiteren Ex-Kindersoldaten und dem Direktor der Einrichtung, Rafael Bejarano, will sie am Dienstag im Europäischen Auswärtigen Dienst in Brüssel das Programm vorstellen. Die EU hatte Ende 2016 zugesagt, den Friedensprozess in Kolumbien mit insgesamt 600 Millionen Euro zu unterstützen. Der Friedensvertrag zwischen Regierung und Farc-Rebellen trat Anfang Dezember in Kraft und beendet den längsten Konflikt in Lateinamerika.

Die Salesianer Don Boscos sind ein Orden, der sich besonders um junge Menschen kümmert. Er unterhält in Kolumbien zwei Einrichtungen für ehemalige Kindersoldaten. Bei dem Wiedereingliederungsprogramm sollen die Opfer zunächst wieder Vertrauen zu fremden Menschen fassen lernen. Sie holen die Schule nach, lernen einen Beruf oder bilden sich anderweitig und bereiten ein Leben außerhalb des Camps vor.

Viele der Minderjährigen, die in die Einrichtung kommen, sind traumatisiert, erklärten die Salesianer bei der Veranstaltung, die von der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaften organisiert worden war. Sie seien sexuell missbraucht und zum Kämpfen gezwungen worden, manche Kinder hätten eigene Verwandte umbringen müssen. Am kommenden Sonntag wird der sogenannte Red Hand Day begangen, der Welttag gegen den Einsatz von Kindersoldaten.