Friedensverbände erfreut über Nobelpreis an Anti-Atomwaffen-Kampagne
Bonn/Aachen (epd). Die Verbände der evangelischen Friedensarbeit haben sich "hocherfreut" über die Verleihung des Friedensnobelpreises an die Kampagne für die Abschaffung von Atomwaffen (ICAN) geäußert. Die Auszeichnung sei eine "überzeugende Bestätigung" der Arbeit auch der kirchlichen Friedensdienste", erklärte die Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF), Christine Busch, am Freitag in Bonn. Der Vorsitzende der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK), Christoph Münchow, bezeichnete den Preis für die ICAN als "ein ganz wichtiges Zeichen".
Beide Friedensverbände erklärten ihre Unterstützung für ICAN und verwiesen auf "das große Engagement" gerade junger Menschen in der ganzen Welt für ein weltweites Verbot von Nuklearwaffen. Der internationale Vertrag für ein Verbot solcher Waffen, den 122 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen erarbeitet hatten, wäre ohne die Lobbyarbeit von ICAN "nicht möglich gewesen", sagte Münchow. Nach Ansicht von Busch muss nun auch Deutschland - wie bereits mehr als 50 andere Länder - das Abkommen unterzeichnen.
Die "nukleare Teilhabe" der Bundesrepublik sei zu beenden, hieß es weiter. Auf dem rheinland-pfälzischen Luftwaffenstützpunkt Büchel vermuten Friedensaktivisten noch immer 20 US-amerikanische Atombomben. Die Existenz der Waffen auf dem Luftwaffenstützpunkt in Rheinland-Pfalz wird vonseiten der US-Streitkräfte und der Bundesregierung weder bestätigt noch dementiert.
Nach Ansicht von AGDF und EAK sei nach der Ächtung der biologischen und chemischen Waffen ein Verbot von atomaren Massenvernichtungswaffen "überfällig". Die Verleihung des Friedensnobelpreises an ICAN könne nun der Anlass sei, dieses Ziel zu erreichen, sagte die AGDF-Vorsitzende Busch.
Auch der Verein Aachener Friedenspreis schloss sich dem Lob für die Entscheidung des Nobelpreis-Komitees an. Damit bekomme die Kampagne ICAN "neuen Schub" und die Ächtung von Nuklearwaffen rücke "in greifbare Nähe", sagte eine Sprecherin des von rund 50 kirchlichen, politischen, gewerkschaftlichen und gesellschaftlichen Gruppen sowie 350 Einzelpersonen getragenen Vereins. Von der künftigen Bundesregierung erwarte man ein Verbot der weiteren Stationierung von Atomwaffen in Deutschland.