Friedenspreis für Ex-Kindersoldaten, Maori und Anti-Mafia-Netzwerk

Bremen (epd). Eine Anti-Mafia-Organisation aus Sizilien, eine maorische Friedensaktivistin aus Neuseeland und ein früherer Kindersoldat aus dem Kongo erhalten an diesem Freitag den internationalen Bremer Friedenspreis 2017. Die mit insgesamt 15.000 Euro dotierte Auszeichnung wird seit 2003 alle zwei Jahre von der Bremer Friedensstiftung "Die Schwelle" verliehen, sagte Kristina Bulling vom Vorstand der Stiftung am Donnerstag in Bremen. Die Preisträger zeigten, dass mit zivilgesellschaftlichen Engagement ganze Gesellschaften verändert werden können. Die Preise in drei gleichrangigen Kategorien werden im Bremer Rathaus überreicht.

Die Preisträger selbst riefen in der Hansestadt Bremen zu mutigem bürgerschaftlichen Engagement auf: "Als wir mit unserer Anti-Schutzgeld-Aktion in Palermo anfingen, wurden wir von der Mafia nicht ernst genommen und belächelt", sagte die sizilianische Aktivistin Francesca Vannini. Ihre Organisation gründete ein Netzwerk von Geschäftsleuten, die nicht mehr bereit waren, Schutzgelder an die Mafia zu zahlen. Mittlerweile stünden mehr als 1.000 Gewerbetreibende auf einer öffentlichen Liste, die den "Pizzo" verweigerten. Verbraucher könnten in solchen Geschäften gezielt einkaufen und so die mutigen Geschäftsinhaber unterstützen. Die Mafia lasse diese Geschäfte in Ruhe, weil der sonst zu erwartende Ärger größer sei als der aus Erpressungen erwartete Gewinn.

Die neuseeländische Friedens- und Umweltaktivistin Pauline Tangiora rief dazu auf, Kriege und Atomwaffen zu ächten. Um Uran für Atomwaffen zu gewinnen, würden riesige Wälder gerodet. Dies bedrohe die Lebensgrundlage der einheimischen Völker.

Der frühere Kindersoldat Junior Nzieta aus dem Kongo appellierte an die westliche Gesellschaft auf, die Folgen des Konsums zu bedenken. In Afrika müssten Kinder seltene Mineralien abbauen, damit westliche Konzerne damit Smartphones und Computer bauen können. Bewacht würden diese Kinder von Kindersoldaten. Allen diesen Kindern werde die Kindheit und die Zukunft genommen, weil sie keine Chance auf Bildung hätten.

Die Schirmherrin des Friedenspreises, die Bremer Finanzsenatorin Karoline Linnert (Grüne), nahm die Kritik auf: Bei der Beschaffung neuer Computer für den öffentlichen Dienst achte ihre Behörde darauf, möglichst keine "schmutzigen" Rechner zu kaufen. Allerdings gelinge dies noch nicht durchgängig.

Mit dem internationalen Bremer Friedenspreis werden regelmäßig Persönlichkeiten und Initiativen geehrt, die sich beispielhaft für Gerechtigkeit, Frieden und die Umwelt einsetzen. Die Friedensstiftung "Die Schwelle" wurde 1979 durch den Bremer Unternehmer Dirk Heinrichs und seine Ehefrau Ruth-Christa gegründet.