Friedenspfarrerin: Pazifismus hat eine Chance

Die scheidende hessische Friedenspfarrerin Sabine Müller-Langsdorf ist trotz Krieg von der Bedeutung des Pazifismus überzeugt.

Frankfurt a.M. (epd). Die Friedenspfarrerin der evangelischen Landeskirchen in Hessen, Sabine Müller-Langsdorf, hält trotz des Kriegs Russlands gegen die Ukraine den Pazifismus für eine wichtige Kraft. In vielen Kirchengemeinden sei die Haltung dazu gespalten, sagte Müller-Langsdorf dem Evangelischen Pressedienst (epd). Doch der Pazifismus sei eine soziale Kraft, die Menschen dazu bewege, keine Gewalt anzuwenden. Die Pfarrerin wird an diesem Freitag in der Frankfurter Auferstehungskirche von Pröpstin Sabine Bertram-Schäfer in den Ruhestand verabschiedet.

Die Pfarrerin kritisierte die im vergangenen November veröffentlichte Friedensdenkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland unter dem Titel „Welt in Unordnung“. „Der Pazifismus ist nicht nur eine persönliche Überzeugung, wie dort beschrieben, sondern ein ziviler Widerstand gegen Unrecht“, sagte Müller-Langsdorf. In der Ukraine etwa betrieben Kirchen Suppenküchen und Blutbanken, setzten sich für die Freilassung von Kriegsgefangenen ein und unterstützten die Flucht aus Kriegsgebieten. „Die Aufgabe der Kirche ist es, den Raum zu weiten für Optionen ohne Gewalt.“

„Atomwaffen gehören geächtet“

Dagegen sei die Friedensdenkschrift, die Investition in die Verteidigung fordert, „in ihrer eigenen Angst gefangen“, sagte die Pfarrerin. „Ich wünschte, sie würde der Freiheit des Glaubens mehr Raum geben und auf Gottes Frieden vertrauen.“ Die Rechtfertigung des Besitzes von Atomwaffen zur Abschreckung sei ein Rückschritt, kritisierte die Theologin: „Die Massenvernichtungsmittel können den Planeten zerstören, sie gehören geächtet.“ Müller-Langsdorf war Gemeindepfarrerin in Offenbach, Studierendenpfarrerin und in der religionspädagogischen Fortbildung für Erzieherinnen in Darmstadt tätig, Schulseelsorgerin und Religionslehrerin in Dreieich, bevor sie 2012 zur Friedenspfarrerin ernannt wurde.

Flüchtlingshelfer aus Gefängnis befreit

In diesem Amt hätten sie am meisten Begegnungen mit Menschen fasziniert, die sich ihr Engagement etwas kosten ließen, sagte Müller-Langsdorf. So habe sie eine Darmstädterin unterstützt, deren Mann in Griechenland zu 14 Jahren Gefängnis verurteilt worden war. Das Paar hatte auf einer privaten Segeltour in der Ägäis eine Flüchtlingsfamilie nach Griechenland mitgenommen. Die Kirche habe über Kontakte zu staatlichen Stellen dazu beitragen können, dass der Mann vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen wurde.

„Ich gehe mit etwas Wehmut, aber mit Freude auf das, was kommt“, sagte die scheidende Friedenspfarrerin. Ab 1. September wird sie im Ruhestand für zehn Monate die deutschsprachige evangelische Gemeinde im griechischen Thessaloniki betreuen.