Friedensorganisationen kritisieren Loccumer Tagung zu Rüstungsexporten

Loccum/Bonn (epd). Eine für September geplante Tagung in der Evangelischen Akademie Loccum über "Rüstungsproduktion, Waffenexporte und Friedensethik" stößt auf Kritik von Friedensgruppen. Bei der Tagung mit dem Untertitel "Woran soll sich die deutsche Rüstungspolitik orientieren?" vom 1. bis zum 3. September werde industrie- und sicherheitspolitischen Fragen der Vorrang gegeben, erklärte die evangelische Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden aus Bonn am Freitag. Akademiedirektor Stephan Schaede kündigte für das Frühjahr 2016 eine friedensethische Tagung an. Laut Programm stehen bei der Tagung Fragen nach dem Umgang mit "strategisch erforderlichen Rüstungsproduktionskapazitäten in Deutschland" und "Prinzipien für Exporte in Drittstaaten" im Mittelpunkt. Die friedensethische Sicht dagegen bleibt nach Ansicht der Aktionsgemeinschaft im Hintergrund: "Die Prioritäten müssten genau umgekehrt gesetzt werden", schreibt die Aktionsgemeinschaft und kritisiert, dass keine Rüstungskritiker als Referenten eingeladen worden seien. Der Aktionsgemeinschaft gehören 34 Organisationen und Institutionen an, die im In- und Ausland Friedensarbeit leisten. Akademiedirektor Stephan Schaede sagte dem Evangelischen Pressedienst, er halte es für wichtig, eine Tagung zu dem Problem von Rüstungsexporten anzubieten. Er setze auf kontroverse Diskussionen und wolle auch gerade Kritiker zur Teilnahme ermutigen. Für das Frühjahr sei eine große friedensethische Tagung geplant, bei der Rüstungsgegner ausführlich zu Wort kommen sollten. Laut Programm sind zu der Tagung im September unter anderem Vertreter der Rüstungsunternehmen Rheinmetall und Atlas Elektronik GmbH eingeladen. Angekündigt sind auch das Berliner Informationszentrum für Transatlantische Sicherheit und das Londoner Forschungsinstitut für Verteidigungs- und Sicherheitsthemen "Royal United Services Institute". Von der Hamburger Bundeswehrhochschule nimmt der katholische Sozialethiker Professor Thomas Hoppe teil, von evangelischer Seite der Militärdekan Hartwig von Schubert von der Führungsakademie in Hamburg.