Friedensnobelpreis: Favoriten
Frankfurt a.M./Oslo (epd). Pressefreiheit, Klimawandel und Gesundheit könnten die Themen für den kommenden Friedensnobelpreis sein. Eine Woche vor der Bekanntgabe des oder der diesjährigen Geehrten am 9. Oktober gelten Aktive dieser Bereiche als Favoriten für die Auszeichnung. Journalisten-Verbände, Kämpferinnen gegen den Klimawandel und Engagierte im Einsatz gegen die Corona-Pandemie werden unter Experten und in Wettbüros hoch gehandelt.
Laut dem Nobelkomitee in Oslo gingen für dieses Jahr 318 Nominierungen ein, 211 für Persönlichkeiten und 107 für Organisationen. Das ist die bislang vierthöchste Zahl von Vorschlägen - nach dem Rekord von 376 im Jahr 2016.
Der Leiter des Osloer Friedensforschungsinstituts Prio, Henrik Urdal, hat wie jedes Jahr eine Favoritenliste erstellt. Auf Platz eins sieht er das "Komitee zum Schutz von Journalisten" (CPJ) in New York: "Der Friedensnobelpreis für das CPJ wäre eine Anerkennung für das Liefern verlässlicher und unabhängiger Informationen, was wiederum Regierungen ermöglicht, in Krisen und Konflikten gute Entscheidungen zu treffen." Zu dieser Kategorie zähle auch "Reporter ohne Grenzen".
Letztere sieht der norwegische Historiker Asle Sveen an der Spitze: Der Friedensnobelpreis für die Organisation wäre ein Signal dafür, wie wichtig unabhängige Berichterstattung sei, nicht zuletzt in repressiven und autoritären Regimen wie China und Belarus, zitierte ihn das Onlineportal "NewsInEnglish.no". Auf Platz zwei steht bei Sveen die Klima-Aktivistin Greta Thunberg.
In Wettbüros zählt die 17-jährige Schwedin und Trägerin des Alternativen Nobelpreises wie schon vergangenes Jahr zu den Favoriten. In Zeiten von Covid-19 gilt das auch für die Weltgesundheitsorganisation (WHO): Obwohl teils für ihren Umgang mit der Krise kritisiert, habe die WHO bereits anfänglich erklärt, dass es sich um eine Pandemie handele. Neuseelands Regierungschefin Jacinda Ardern sehen die Buchmacher ebenfalls ganz oben. Hoch gehandelt wird bei manchen auch US-Präsident Donald Trump.
Prio-Chef Urdal setzt deutlich andere Prioritäten: Auf Platz zwei steht bei ihm die sudanesische Aktivistin Alaa Salah, gefolgt vom russischen Regimekritiker Alexej Nawalny. Der uigurische Wissenschaftler Ilham Tohti aus China und der Aktivist Nathan Law Kwun-chung aus Hongkong hätten ebenfalls gute Chancen. Als weitere Favoritinnen listet er die jungen Friedensaktivistinnen Hadscher Scharif (Libyen) und Ilwad Elman (Somalia).
Der Friedensnobelpreis wurde von dem schwedischen Chemiker und Industriellen Alfred Nobel (1833-1896) gestiftet. Der Erfinder des Dynamits widmete die Ehrung Verdiensten um Völkerverständigung, Abrüstung und Frieden. In diesem Jahr wurde das Preisgeld von neun auf zehn Millionen Kronen angehoben (über 950.000 Euro). In der Geschichte der seit 1901 verliehenen Auszeichnung war eine Reihe von Preisträgern umstritten: In jüngster Zeit galt das besonders für US-Präsident Barack Obama 2009 und die EU 2012. Traditionell wird der Preis am 10. Dezember in Oslo überreicht, dem Todestag Nobels. 2019 ging er an den äthiopischen Ministerpräsidenten Abiy Ahmed Ali.