Friedensforscher Ernst-Otto Czempiel gestorben
Marburg/Frankfurt a.M. (epd). Der Friedensforscher und Gründungsvater der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, Ernst-Otto Czempiel, ist tot. Er starb am 11. Februar im Alter von 89 Jahren in Berlin, wie seine Familie am Samstag in Marburg mitteilte. Der Politikwissenschaftler hatte 1966 an der Marburger Philipps-Universität eine Professor übernommen und die Idee für ein hessisches Friedensforschungsinstitut entwickelt. 1970 folgte er einem Ruf an die Frankfurter Goethe-Universität und gründete dort das Zentrum für Nordamerika-Forschung. Gleichzeitig baute er die Forschungs-Stiftung auf, die er bis 1995 leitete.
Die Stiftung würdigte Czempiel in einem Nachruf als "Doyen der deutschen Friedensforschung" und als einen ihrer kreativsten und produktivsten Köpfe. Czempiel sei maßgeblich auch an der Gründung der Deutschen Gesellschaft für Friedens- und Konfliktforschung beteiligt gewesen. Er habe er sich immer wieder in aktuelle politische Debatten eingemischt und sei so zu einem gesuchten Gesprächspartner in Bonn und Berlin geworden.
Für seine Verdienste wurde der Friedensforscher mit dem Bundesverdienstkreuz (1994) und dem Hessischen Verdienstorden (1996) geehrt. Seit 2008 verleiht die Hessische Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung alle zwei Jahre einen nach Ernst-Otto Czempiel benannten Preis für die beste postdoktorale Monografie aus der Friedensforschung, der mit 5.000 Euro dotiert ist. Heute ist das Institut nach eigenen Angaben das größte seiner Art in Deutschland mit mehr als 80 Mitarbeitern.