Friedensforscher: Diplomatie und Abschreckung keine Gegensätze

Zum Wochenende sind in Berlin mehrere Proteste gegen Aufrüstung angekündigt. Oft wird in der Friedensbewegung kategorisch zwischen Abschreckung und Diplomatie unterschieden - für den Friedensforscher Tobias Fella eine Zuspitzung.

Berlin (epd). Aus Sicht des Friedensforschers Tobias Fella sind Diplomatie und Abschreckung keine zwingenden Gegensätze. „Wir haben in Deutschland die Tendenz zu sagen, entweder Abrüstung oder Abschreckung“, sagte der Politikwissenschaftler vom Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg am Freitag im RBB-Inforadio. Das sei aber eine Zuspitzung. In Berlin wurden zum Wochenende mehrere Friedensdemonstrationen angekündigt, die sich gegen eine mögliche Wehrpflicht und militärische Aufrüstung richten.

Der Friedensforscher forderte: „Man muss weg von der Zuspitzung kommen.“ Abschreckung könne auch mit Rüstungskontrollen einhergehen. Staaten würden dann gegenseitige Vereinbarungen zu gewissen Waffensystemen treffen. Wichtig sei auch, dass Aufrüstung sozialverträglich gestaltet werde und eine mögliche Abrüstung in der Zukunft mitgedacht werde. So könnten „Gemäßigte auf beiden Seiten“ der Friedensbewegung angesprochen werden.

Auch Nato bestehe nicht nur aus Abrüstung

Grundsätzlich unterscheidet Fella zwischen gemäßigten und strikten Formen des Pazifismus in der Friedensbewegung. Die strikte Auslegung fordere kategorisch „keine Waffen, auch keine Gewalt zur Selbstverteidigung“. Dabei gebe es aber schon heute eine gewisse Vereinnahmung, „die gegen den deutschen 'Deep State' argumentiert und damit auch ein Stück weit Russland nahe ist“. Auch die Nato, die von der Friedensbewegung oft kritisiert wird, besteht laut Fella nicht nur aus Abschreckung. „Die hatte auch immer Diplomatie dabei“, sagte der Forscher dem RBB.