Friedensaktivisten warnen vor Ausweitung des Syrien-Krieges

Berlin (epd). Die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW (Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs) hat vor einer "katastrophalen Ausweitung" des Krieges in Syrien gewarnt und ein sofortiges Ende aller Bombardierungen sowie Drohungen gegen das Land gefordert. "Kriegsverbrechen können nicht durch noch mehr Krieg beendet werden, sondern nur durch das Ende der Kampfhandlungen", sagte die stellvertretende IPPNW-Vorsitzende Susanne Grabenhorst am Mittwoch in Berlin. Aktuell bestehe die große Gefahr einer Ausweitung des Konfliktes: "Nato-Staaten wie die USA und die Türkei könnten sich gegenüberstehen, Atommächte ihr aufgerüstetes Atomwaffenarsenal gegeneinander in Stellung bringen."

US-Präsident Trump hatte am Mittwoch auf dem Kurznachrichtendienst Twitter einen Raketenangriff auf Ziele in Syrien angekündigt. Zuvor hatte Russland den USA mit Vergeltungsschlägen gedroht, sollten sie Syrien mit Raketen angreifen. Hintergrund der jüngsten Eskalation ist ein mutmaßlicher Chemiewaffeneinsatz des Assad-Regimes in Syrien. 

Die mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete Ärzteorganisation IPPNW betonte: "Erfahrungsgemäß dauert die Ermittlung der Verantwortlichen beim Einsatz von Giftgas sehr lange, wenn sie denn überhaupt zu einem eindeutigen Abschluss gebracht werden kann." Trotzdem müsse der Versuch gemacht werden, bei dem Vorwurf eines Kriegsverbrechens eine Klärung zu erreichen. Dies müsse den Vereinten Nationen (UN) und der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPWC) übertragen werden. 

Zudem forderte die Organisation eine diplomatische Lösung des Syrien-Konflikts und ein Ende aller militärischer Invasionen von außen. Gesprächsverweigerung, Abbruch diplomatischer Beziehungen, Sanktionen der Bevölkerung sowie der Ausschluss relevanter Bevölkerungsgruppen bei den Friedensverhandlungen seien destruktiv. 

Von der Bundesregierung forderte die Organisation unter anderem ein Stopp aller Waffenlieferungen. Außenminister Heiko Maas (SPD) müsse sich zudem für die Fortsetzung aller Friedensprozesse stark machen. Die Bundesbürger rief IPPNW dazu auf "Informationen zu Verantwortlichkeiten in Kriegen kritisch zu prüfen". Zudem sollten sie auf ihre Bundestagsabgeordneten einwirken, "sich besonnen mit der sich zuspitzenden Kriegslage auseinandersetzen sowie sich nicht auf falsch verstandene Bündnistreue einzulassen".