Freiwillige vor - Was auf junge Menschen mit dem Wehrdienst zukommt
Die Bundeswehr braucht mehr Personal. Ein neues Wehrdienstmodell soll dafür sorgen, dass mehr junge Menschen bereit sind, sich für die Streitkräfte zur Verfügung zu stellen. Es ist keine Rückkehr zur Wehrpflicht, Pflichtelemente soll es aber geben.
Berlin (epd). Fast 183.000 Soldatinnen und Soldaten gehören der Bundeswehr an (Stand: 31. Juli 2025). Angesichts der Bedrohungslage durch Russland werden nach Einschätzung des Verteidigungsministeriums viel mehr gebraucht. Auf mindestens 260.000 aktive Soldatinnen und Soldaten soll die Truppe anwachsen. Die Zahl der Reservisten soll auf 200.000 steigen. Helfen soll ein neuer Wehrdienst, der auf Freiwilligkeit setzt, junge Menschen aber zum Teil auch in die Pflicht nimmt, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Fragen und Antworten zu den Plänen von Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD):
Was sieht das Modell zentral vor?
Volljährige junge Menschen sollen künftig einen Fragebogen erhalten, in dem sie beantworten sollen, ob sie bereit für den Dienst in der Bundeswehr sind. Junge Männer müssen ihn beantworten, für Frauen ist die Beantwortung freiwillig. Wer sich bereit erklärt, kann dann rekrutiert werden. Zudem soll der Dienst attraktiver werden, unter anderem durch Verpflichtungsprämien, Angebote wie Sprachkurse, einen Zuschuss zum Führerschein und eine bessere Besoldung. So soll der Sold für Wehrdienstleistende künftig bei 2.300 Euro netto monatlich liegen.
Gibt es weitere Pflichten?
Ja, ab 1. Juli 2027 soll es wieder eine verpflichtende Musterung geben, an der alle 18-jährigen Männer teilnehmen müssen. Das Verteidigungsministerium will damit ein Lagebild über die gesundheitliche Eignung erhalten.
Wie lang wird der neue Wehrdienst sein?
Der Wehrdienst soll flexibel gestaltet werden: Nach einer sechsmonatigen Ausbildung können sich Soldaten monatsweise für bis zu insgesamt 23 Monate verpflichten.
Warum gelten die Pflichten nur für Männer?
Die im Grundgesetz vorgesehene und 2011 ausgesetzte Wehrpflicht betrifft nur Männer. Würde man auch Frauen verpflichten wollen, müsste man die Verfassung ändern, wofür Zwei-Drittel-Mehrheiten in Bundestag und Bundesrat notwendig wären. Da solche Mehrheiten mit AfD und Linkspartei im Parlament derzeit nicht absehbar sind, setzt die Bundesregierung bei den Frauen auf Freiwilligkeit.
Ist eine Rückkehr zur alten Wehrpflicht mit dem neuen Modell ausgeschlossen?
Eine Wehrpflicht ist aktuell nicht geplant. Das neue Modell sieht aber vor, dass sie wiederkommen kann, wenn der Bedarf an mehr Soldatinnen und Soldaten wegen der Sicherheitslage steigt, aber nicht durch Freiwillige gedeckt werden kann. Einen Automatismus soll es aber nach den Plänen von Pistorius dafür nicht geben. Zudem müsste vor der Wiedereinführung der Wehrpflicht auch der Bundestag noch grünes Licht geben.