Evangelische Kirchen beraten zu Wehrdienst und Verweigerung
Die Bundeswehr verschickt seit diesem Jahr Fragebögen zum Wehrdienst an 18-Jährige. Damit steigt die Nachfrage nach Beratung bei den Kirchen. Die Beratung sei ergebnisoffen, betonen die evangelischen Kirchen in Hessen und Rheinland-Pfalz.
Darmstadt, Kassel, Speyer (epd). Die evangelischen Kirchen in Hessen und Rheinland-Pfalz beraten junge Menschen zu Wehrdienst oder Kriegsdienstverweigerung. Mit Postkarten nehmen die Kirchen Kontakt zu Mitgliedern auf, die 18 Jahre alt werden, und weisen auf ihr Beratungsangebot hin, teilten die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) und die Evangelische Kirche der Pfalz dem Evangelischen Pressedienst (epd) mit. Die Karte ermutige die Empfänger, sich sorgfältig mit einer Entscheidung für oder gegen den Wehrdienst auseinanderzusetzen.
Die Kirche biete jungen Menschen eine Begleitung im Prozess der Gewissenbildung an und unterstütze sie, „ihre eigene Haltung“ zu entwickeln, teilte die Kirche in der Pfalz mit. Wenn Bedarf bestehe, unterstütze sie auch „bei der Entwicklung einer geeigneten Begründung ihrer Gewissensentscheidung, sodass ein Antrag auf Kriegsdienstverweigerung gestellt werden kann“.
Alle drei Kirchen stellen eine steigende Nachfrage nach Beratung fest und bauen ihr Beratungsangebot aus. Dazu arbeiten sie mit der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) zusammen. Die Evangelische Kirche der Pfalz nutzt deren Ausbildungsangebot für die Beratung zur Kriegsdienstverweigerung (KDV) vor allem für Jugendreferenten und Gemeindepädagogen, um in den Dekanaten Beratungen anbieten zu können. Zudem gebe es ein automatisiertes Bildungsangebot über den Nachrichtendienst WhatsApp. In der EKHN und der EKKW nehmen auch Pfarrpersonen an der Ausbildung zur KDV-Beratung teil.
Begleitung im Prozess der Gewissensbildung
Die Beratung der jungen Menschen sei ergebnisoffen, betonen die drei Kirchen. Im Zentrum stünden „die Begleitung und Ansprechbarkeit im Prozess der Gewissenbildung“, teilen die EKHN und die EKKW mit, deren Beratung durch das gemeinsame Zentrum Oekumene koordiniert wird.
Seit 1. Januar 2026 werden alle jungen Menschen in Deutschland kurz nach ihrem 18. Geburtstag von der Bundeswehr angeschrieben, um ihr Interesse am Wehrdienst abzufragen und sie zu erfassen. Männer müssen den Fragebogen ausfüllen, Frauen ist es freigestellt.