Evangelische Jugend will keine "Wehrpflicht durch die Hintertür"

Nürnberg (epd). Die Evangelische Jugend (EJB) in Bayern positioniert sich gegen eine „Wehrpflicht durch die Hintertür“. Laut einer Mitteilung vom Freitag kritisiert die EJB den aktuellen Kabinettsbeschluss der Bundesregierung zur Modernisierung der Wehrpflicht. Zwar seien zunächst höhere Soldzahlungen und verpflichtende Musterung für Menschen mit einem männlichen Passeintrag ab 2027 geplant. „Ab dann könnte bei zu geringen Freiwilligenzahlen eine Pflicht greifen“, hieß es.

Besonders kritisch sieht der konfessionelle Jugendverband, dass die Bundesregierung mit der Entscheidung Fakten schaffe, „ohne die Stimmen der jungen Menschen ausreichend einzubeziehen“. Ab Herbst soll die Debatte im Parlament weitergeführt werden. „Ein Schnellschuss geht zu Lasten junger Menschen und ist bei einem gesellschaftlich so wichtigen Thema nicht angemessen“, sagte der EJB-Vorsitzende Malte Scholz. Junge Menschen litten besonders unter Zukunftssorgen und seien in den letzten Jahren stark belastet gewesen. „Wer resiliente und engagierte junge Menschen für die Gesellschaft gewinnen will, muss auf echte Einbindung, Respekt und Freiwilligkeit setzen“, so Scholz.

Der christliche Jugendverband warnte auch davor, dass der geplante Aufbau von Strukturen für einen neuen Zivildienst die bestehenden Freiwilligendienste schwächen könnte. Statt parallele Pflichtstrukturen zu schaffen, sollte ein allgemeiner Rechtsanspruch auf einen Freiwilligendienst mit attraktiven Rahmenbedingungen geschaffen werden, forderte die EJB. „Das würde jungen Menschen echte Wahlmöglichkeiten eröffnen und die bestehenden Strukturen sinnvoll stärken.“