EU und UN rechnen mit Zunahme von Hungerkrisen wegen Konflikten
Rom (epd). UN und EU fordern angesichts einer steigenden Anzahl von Hungerkrisen zu verstärkter internationaler Zusammenarbeit bei der humanitären Hilfe auf. "An der Wurzel von wachsendem Hunger stehen häufigere und länger anhaltende Konflikte", sagte UN-Generalsekretär António Guterres in einer Videobotschaft bei der Vorstellung des im Auftrag der UN erstellten Ernährungskrisenberichts am Donnerstag in Rom. "Es ist an uns, zu handeln und die Ursachen zu bekämpfen."
Die Zahl der unter Hunger leidenden und von Hunger bedrohten Menschen stieg dem von EU, Welternährungsprogramm (WFP) und UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) vorgestellten Bericht zufolge im vergangenen Jahr von 108 Millionen auf 124 Millionen. Der Anstieg sei vor allem auf neue oder verstärkte Konflikte wie in Myanmar, Nigeria, dem Kongo, dem Südsudan und dem Jemen zurückzuführen, heißt es im "Globalen Bericht über Ernährungskrisen 2018". Allein in Nigeria, Somalia, im Südsudan und im Jemen benötigten 32 Millionen Menschen Lebensmittellieferungen zum Überleben, fünf Millionen Menschen mehr als im Vorjahr.
Ernährungskrisen würden in Zukunft "sehr wahrscheinlich noch drängender, anhaltender und komplexer werden, mit schrecklichen Folgen für Millionen Menschen", warnte der EU-Kommissar für internationale Zusammenarbeit und Entwicklung, Neven Mimica. Angesichts der von Menschen verursachten Krisen und von Naturkatastrophen sei eine "robustere und strategischere globale Antwort auf die Ernährungskrisen" nötig, betonte der EU-Kommissar für humanitäre Hilfe und Krisenschutz, Christos Stylianides, bei der Vorstellung des Berichts. Humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit müssten in der Praxis stärker verbunden werden.
Anhaltende Dürre trägt im südlichen und östlichen Afrika laut Bericht zu einer weiteren Verschlechterung der Lage bei. In einigen der 45 betroffenen Länder werde die Situation noch durch Cholera-Epidemien verschärft. Extreme Klimaereignisse, vor allem Dürrekatastrophen, verursachten in 23 Ländern Ernährungskrisen, die knapp 40 Millionen Menschen von dringenden Lebensmittelhilfen abhängig machten. Zwei Drittel der unter Klimaereignissen leidenden Länder liegen den Angaben zufolge in Afrika.
Die Hungerkrise im Jemen wird nach Einschätzung der FAO weiterhin die größte weltweit bleiben. Wegen des beschränkten Zugangs für Hilfsorganisationen, des Zusammenbruchs der Wirtschaft und des Ausbruchs von Epidemien werde sich die Lage in dem arabischen Land voraussichtlich weiter verschlechtern. In Konfliktsituationen Ernährung und Lebensgrundlagen zu sichern, rette Leben, stärke die Widerstandsfähigkeit der Menschen und könne so auch einen Beitrag für dauerhaften Frieden leisten, erklärte FAO-Generaldirektor José Graziano da Silva mit Blick auf den Jemen und andere Krisengebiete.