Erzbischof Bentz kritisiert Siedlergewalt im Westjordanland

Nach einer Reise nach Israel blickt der Paderborner Erzbischof Bentz mit Sorge auf die Lage in Israel und Palästina. Er verurteilt die Siedlergewalt im Westjordanland und warnt vor der Abwanderung von Christen.

Paderborn (epd). Der Paderborner Erzbischof Udo Markus Bentz hat die Angriffe radikaler israelischer Siedler auf Palästinenser im Westjordanland verurteilt. Die Siedler wollten vor der israelischen Parlamentswahl am 27. Oktober „im wahrsten Sinne des Wortes mit aller Gewalt“ auf sich aufmerksam machen, sagte Bentz dem Evangelischen Pressedienst (epd) nach seiner Rückkehr von einer Reise nach Israel.

Während der derzeit laufenden Olivenernte komme es zu vermehrten Angriffen radikaler Siedler im Westjordanland. Den palästinensischen Familien werde der Zugang zu ihren Hainen verwehrt, Olivenbäume würden umgehauen, Grundstücke besetzt, sagte Bentz. Diese Ernte sei für die Familien nicht nur wirtschaftlich wichtig, sondern auch Teil ihrer kulturellen Identität. „Im Schatten von Gaza vollzieht sich dort ein Unrecht, das von der Öffentlichkeit nicht ausreichend wahrgenommen wird“, sagte er.

Vorgehen der Siedler völkerrechtswidrig

Das Vorgehen der radikalen israelischen Siedler sei völkerrechtswidrig und müsse „klar und unmissverständlich verurteilt werden“, sagte Bentz. „Solche Attacken und fehlende Konsequenzen durch die israelischen Sicherheitskräfte entziehen den Familien ihre Existenzgrundlage. Sie stehen in eklatantem Widerspruch zum Existenzrecht des palästinensischen Volkes, das ebenso wenig wie das Existenzrecht Israels von irgendjemand infrage gestellt werden darf.“

Die bevorstehende Parlamentswahl dürfte ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und seinem Herausforderer Gadi Eizenkot werden. Offen sei, mit welchen Koalitionspartnern eine Regierung gebildet werden könne, ob beispielsweise arabische Parteien in der Knesset vertreten sind. Für einen politischen Richtungswechsel werde aber das Abschneiden der rechtsextremen Kräfte entscheidend sein. Sollten sie aus der Regierung herausgehalten werden, sei „zwar längst noch nicht alles gut, aber das Schlimmste wäre verhindert“, sagte der Erzbischof.

Sorge um Christen im Westjordanland

Zugleich dürfe man sich von einem möglichen Regierungswechsel nicht zu viel versprechen: Netanjahus Konkurrent, Gadi Eizenkot, habe sich jüngst auch zu Siedlungsprojekten im Westjordanland bekannt. Auch eine Zweistaatenlösung lehne er klar ab. „Es wird deutlich, wie tief gespalten und traumatisiert die israelische Gesellschaft ist“, sagte Bentz.

Der Erzbischof äußerte sich zudem besorgt über die Abwanderung von Christen aus dem Westjordanland. Gerade junge Menschen bräuchten neben Bildung auch wirtschaftliche Perspektiven sowie Sicherheit und Freiheit, um in ihrer Heimat bleiben zu können, sagte er. Christinnen und Christen würden durch den Konflikt zerrieben. „In den Augen mancher radikalisierter palästinensisch-muslimischer Kräfte gelten sie vor allem als Christen und somit gewissermaßen nicht als vollwertige Palästinenser, obwohl sie palästinensische Araber sind. Auf jüdisch-israelischer Seite hingegen werden sie in erster Linie als Palästinenser und nicht als Christen wahrgenommen.“