EKD-Präses Heinrich: Wehrdienst kann Friedensdienst sein

Anna-Nicole Heinrich, Synoden-Präses der Evangelischen Kirche in Deutschland, will eine Polarisierung in der Friedensdebatte vermeiden. Sowohl Freiwilligendienste als auch "der Gang zur Bundeswehr" könnten dem Frieden dienen.

Regensburg/Hamburg (epd). Vor einer Polarisierung in der Friedensdebatte hat die Synoden-Präses der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Anna-Nicole Heinrich, gewarnt. Oft werde die Diskussion in Schwarz und Weiß unterteilt, „in radikale Pazifisten und Mörder“, sagt Heinrich in der neuen Ausgabe des Magazins ZEIT Campus, das am Donnerstag (12. März) erscheint. Dabei könne „der Gang zur Bundeswehr wie auch ein Freiwilligendienst ein Friedensdienst sein“. Sich zu verteidigen, sei aus einer christlichen Grundhaltung heraus „nicht zu verteufeln“.

Heinrich wurde 2021 mit 25 Jahren in eines der höchsten Ämter der EKD gewählt. „Von jungen Menschen in großen Institutionen wird erwartet, dass sie wilder sind und noch nicht so systemblind; dass sie sagen, was ihnen auffällt“, sagt die heute 29-Jährige im Interview. Vor ihr hatten die Politikerinnen Irmgard Schwaetzer und Katrin Göring-Eckardt das Amt der EKD-Präses inne.

Mit Kindergeld und Nebenjobs durchs Studium

Anna-Nicole Heinrich ist in Nittenau in der Oberpfalz aufgewachsen und für das Philosophie-Studium nach Regensburg gezogen. „Ich komme aus einer Familie, wo es nicht möglich war, nach München oder Hamburg zu gehen und 800 Euro für ein WG-Zimmer auszugeben“, erzählt sie. Sie habe das Kindergeld bekommen, im Sommer im Freibad gearbeitet und an den Wochenenden in einer Dorfkneipe. „Trotzdem war ich manchmal so pleite, dass ich Bücher aus dem Zu-verschenken-Schrank der Uni-Bibliothek auf Momox verkauft habe“, erinnert sich Heinrich.