DRK-Präsident Gröhe: Menschen im Sudan brauchen mehr Hilfe

Akute Hilfe und eine langfristige Perspektive: An beidem fehle es nach drei Jahren Krieg im Sudan, mahnen Hilfsorganisationen.

Frankfurt a.M. (epd). Drei Jahre nach Kriegsbeginn im Sudan prangern Hilfsorganisationen die humanitäre Katastrophe in dem afrikanischen Land an und warnen vor den langfristigen Folgen des militärischen Konflikts. Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) erklärte am Dienstag, sollte der Krieg bis 2030 andauern, würden im Jahr 2043 einer Analyse zufolge etwa 52 Millionen Menschen im Land in extremer Armut leben, was dann mehr als 60 Prozent der Bevölkerung entspricht. Der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Hermann Gröhe, sagte: „Die Menschen im Sudan brauchen nicht nur mehr Aufmerksamkeit sowie Schutz und Sicherheit. Auch mehr Unterstützung ist dringend erforderlich.“

Die humanitäre Lage im Sudan sei eine der schlimmsten weltweit, sagte Gröhe den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Dienstag). Doch zwinge das Halbieren der Mittel im Bundeshaushalt für humanitäre Hilfe das DRK sogar dazu, seine Unterstützung auch in dem afrikanischen Land zurückzufahren.

Sudan-Konferenz am Mittwoch

Der Beginn des Krieges jährt sich am Mittwoch zum dritten Mal. An diesem Tag wird von der Bundesregierung in Berlin gemeinsam mit der EU, Frankreich, Großbritannien, den USA und der Afrikanischen Union eine internationale Sudan-Konferenz ausgerichtet. Sie soll Aufmerksamkeit sowie mehr Hilfe für die Bevölkerung mobilisieren und Wege aus dem Krieg finden.

Der Leiter des UN-Entwicklungsprogramms (UNDP) im Sudan, Luca Renda, sagte: „Drei Jahre nach Beginn des Konflikts befinden wir uns nicht nur in einer Krise. Wir erleben die systematische Zerstörung der Zukunft des Landes.“ Allein 2023 habe der Sudan durch den Krieg schätzungsweise 6,4 Milliarden US-Dollar Wirtschaftsleistung verloren. Gleichzeitig seien in nur einem Jahr fast sieben Millionen Menschen in extreme Armut gedrängt worden.

33 Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen

Im Sudan tobt ein erbitterter Machtkampf, ausgetragen zwischen der regulären Armee und den paramilitärischen „Rapid Support Forces“ (RSF). Der Krieg begann am 15. April 2023 in und um die Hauptstadt Khartum und weitete sich auf große Teile des nordostafrikanischen Landes aus. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind mehr als 33 Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen. Beide Kriegsparteien blockieren immer wieder die Lieferung von humanitärer Hilfe.

Das UN-Entwicklungsprogramm hat seinen Bericht zu den Zukunftsaussichten des Sudan zusammen mit dem Institute for Security Studies erstellt, das auf Analysen zu Afrika spezialisiert ist. „Die Daten zeigen, dass sich die Lage im Sudan noch bessern kann“, sagte der UNDP-Repräsentant Renda. Doch jeder weitere Monat des Konflikts mache das schwieriger und kostspieliger.

Wenn es ein Friedensabkommen gäbe und umfassende Reformen in den Bereichen Regierungsführung, Landwirtschaft, Gesundheit, Bildung, Infrastruktur und Handel umgesetzt würden, könnten laut UNDP-Analyse das sudanesische Bruttoinlandsprodukt bis 2043 deutlich steigen und 17,3 Millionen Menschen aus extremer Armut befreit werden. Die Lebenserwartung würde um 4,2 Jahre steigen.

Müttersterblichkeit sehr hoch

Der Krieg gefährdet laut „Save the Children“ derzeit das Leben von Millionen von Müttern und deren Kindern. Seit Beginn des Konflikts seien in dem afrikanischen Land 5,6 Millionen Babys geboren worden, teilte die Hilfsorganisation mit. Im Schnitt kämen damit in dem Kriegsland mindestens drei Kinder pro Minute zur Welt, viele von ihnen unter widrigen Umständen, etwa ohne qualifiziertes medizinisches Personal und in überfüllten Notunterkünften.

Die Müttersterblichkeitsrate im Sudan sei seit 2022 um mehr als elf Prozent auf 295 Todesfälle pro 100.000 Lebendgeburten gestiegen und zähle zu den höchsten weltweit, hieß es. Auch die Säuglingssterblichkeitsrate sei sehr hoch.