DRK: Menschen im Ernstfall nicht ausreichend geschützt
Das Deutsche Rote Kreuz sieht großen Nachholbedarf im Zivilschutz. Auch beim geplanten Sonderprogramm des Innenministeriums gebe es noch Lücken, kritisiert Generalsekretär Reuter. Hilfsorganisationen sollten stärker berücksichtigt werden.
Köln, Berlin (epd). Laut dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) ist Deutschland nicht genügend auf den Krisenfall vorbereitet. „Wir sind nicht ausreichend geschützt für den Ernstfall“, sagte Generalsekretär Christian Reuter am Dienstag dem Radiosender WDR 5. Das sei eine „ernüchternde Erkenntnis“. Auch bei dem vom Bundesinnenministerium geplanten Zehn-Milliarden-Euro-Sonderprogramm für den Zivilschutz sehe er noch Lücken. Reuter forderte eine stärkere Einbindung der anerkannten Hilfsorganisationen.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) will ein Sonderprogramm für den Zivilschutz auf den Weg bringen. Bis 2029 sollen zehn Milliarden Euro investiert werden. Das Kabinett soll am Mittwoch darüber entscheiden. Mit dem Geld soll eine neue Stabsstelle geschaffen, Schutzräume erfasst sowie etwa neue Spezialfahrzeuge und Feldbetten angeschafft werden.
Hilfsorganisationen besser einbinden
In dem Prozess müssten die anerkannten Hilfsorganisationen stärker eingebunden und berücksichtigt werden, forderte Reuter. Neben dem DRK gehören dazu auch der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG), die Johanniter und Malteser. Denn der Bevölkerungsschutz in Deutschland sei zu mehr als 90 Prozent ehrenamtlich getragen. „Das heißt, es muss auch Menschen geben, die dann mit diesem Equipment in der Lage sind, wirklich im Einsatzfall und im Ernstfall umzugehen“, betonte der DRK-Generalsekretär.
Die anerkannten Hilfsorganisationen seien in den vergangenen Jahren nicht ausreichend berücksichtigt worden, kritisierte Reuter mit Blick auf Ausstattung und finanzielle Mittel. Doch die Organisationen seien „Hirn, Herz und Muskel im Bevölkerungsschutz“. Und wenn diese nicht richtig ausgestattet seien, „dann fehlt am Ende des Tages jemand, der wirklich vor Ort in einem Krisenfall Hilfe leisten kann“, mahnte der DRK-Generalsekretär. So fehle es aktuell an vielen Stellen etwa an Schutzräumen und Ersatzkrankenhäusern, aber auch an Betten, Unterbringungsmöglichkeiten, Medikamenten und Technik.