"Die Kriege und Konflikte warten nicht"
Bonn (epd). In den Kriegs- und Krisengebieten der Welt ist nachhaltiger Frieden nach Ansicht von Aktivisten nur möglich, wenn Frauen in Friedensgespräche gleichberechtigt eingebunden sind. Der Beitrag von Frauen zur Verhütung und Beilegung von Konflikten wie auch beim Wiederaufbau von Nachkriegsgesellschaften sei unverzichtbar, sagte Heide Schütz vom Frauennetzwerk für Frieden, das am Samstag in Bonn sein 20-jähriges Bestehen feiert, dem Evangelischen Pressedienst (epd).
Zwar sei die Teilnahme von Frauen an Friedensverhandlungen seit der Verabschiedung der UN-Resolution 1325 im Jahr 2000 bindendes Völkerrecht, erklärte die Vereinsvorsitzende. Dennoch würden Frauen noch heute vielfach nicht als relevante Friedensgruppe wahrgenommen. "Bei den Gesprächen etwa für Afghanistan und Syrien geht es immer noch nur darum, welche bewaffneten Gruppen am Verhandlungstisch sitzen dürfen", beklagte Schütz.
Eine hohe Barriere zum Frieden sei oft der männliche Ehr- und Machtbegriff. "Frauen haben in der Regel eine andere Wertehierarchie, etwa die menschliche Sicherheit", erklärte die Expertin. "Daher können sie in patriarchalen Gesellschaften besser über Feindschaften und Grenzen hinweggehen und Brücken bauen." Bei männlichen Unterhändlern gehe dagegen oft das "Geschacher" weiter: "Was man auf dem Schlachtfeld nicht erreicht hat, will man dann am Verhandlungstisch erreichen."
Viele Konfliktparteien wollten keine Frauen in Verhandlungen einbinden, weil sie befürchteten, dass diese zu schnell Kompromisse eingingen. "Frauen haben oft das Ganze im Blick und können dann leichter auch mal bei einzelnen Punkten zurückstecken," sagte Schütz.
Einige Fortschritte seien in den vergangenen Jahren erzielt worden, sagte Schütz, und verwies etwa auf den Anteil von Frauen an den Friedensgesprächen für Kolumbien. "Sie konnten ihre Friedenskonzeptionen zwar nur in Hinterzimmern vortragen, aber immerhin. Beim nächsten Mal sind sie dann hoffentlich auch öffentlich dabei."
In Deutschland habe es vor allem "im verbalen Bereich" Fortschritte gegeben, etwa durch den nationalen Aktionsplan aus dem Jahr 2012 zur Umsetzung der Resolution 1325. "Viel passiert ist seitdem allerdings leider nicht", sagte Schütz. "Außer, dass die Bundeswehr betont, dass es jetzt viel mehr Soldatinnen gibt - aber das ist nun überhaupt nicht unser Schwerpunkt."
Statt vager Bekenntnisse seien verbindliche Zusagen notwendig, um Frauen einen festen Platz bei Friedensdebatten zu sichern. "Die schlimmen Kriege und Konflikte warten nicht, bis wir soweit sind", mahnte die Vorsitzende des Frauennetzwerks für Frieden.