Bischof Stäblein: "Zuschauen beim Töten ist wie Töten selbst"
Im November legte die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) eine neue Friedensdenkschrift vor. Der Berliner Bischof Stäblein hält einen Dienst an der Waffe für friedensethisch gerechtfertigt.
Berlin (epd). Der Berliner Bischof Christian Stäblein sieht vor dem Hintergrund des russischen Kriegs in der Ukraine und dem kommenden Wehrdienst „Gewalt als Schutz vor einer Gewalt, die zerstört“ als legitim an. „Schwerter zu Pflugscharen bleibt unsere Grundbotschaft und Hoffnung“, betonte Stäblein am Donnerstagabend in der RBB-Abendschau. Frieden müsse aber „gerecht sein. Es darf kein Siegfrieden sein. Es darf keiner sein, der kalt ist und andere unterjocht.“
Realpolitisches und kirchliches Denken gehöre zusammen, gleichzeitig bleibe „immer eine Spannung dazwischen“, sagte der Bischof. Das geistliche Denken der Bibel sage, Gewalt müsse eher erleidet statt zugefügt werden. Allerdings bedeute Christ zu sein auch: „Wenn es um einen Nächsten geht, der angegriffen wird, müssen wir Verantwortung übernehmen.“ Dann sei „zuschauen beim Töten wie Töten selbst“.
„Müssen uns auf ganz andere Zeiten einstellen“
Hinsichtlich der Wehrdienst-Debatte sagte Stäblein, dass diese mit der jungen Generation geführt werden müsse. „Mir hat das viel zu schnell in ein Reden über die jungen Menschen eingesetzt.“ Er sei für einen „Dienst für die Gesellschaft“. Die Kirche wolle dabei Angebote für einen Friedensdienst machen können. Dennoch sei auch der Wehrdienst ein „Dienst mit der Waffe, der dem Frieden dient“.
„Ich selber denk schon: Ja, wir müssen uns auf ganz andere Zeiten einstellen“, sagte der Bischof. Angesichts der Kriege und Krise der vergangenen Jahre nehme er die seelische Gesundheit als „bei allen in der Gesellschaft sehr stark angegriffen“ wahr. Umso mehr sei ein „Sorgen für die Seele“ notwendig, wofür die Kirche da sein wolle.