Bischof Meier: Friede ist nicht gratis, sondern muss gestaltet werden

Augsburg (epd). Frieden ist laut dem Augsburger katholischen Bischof Bertram Meier nicht gratis zu haben. „Der Friede braucht unsere aktive Mitwirkung“, sagte Meier am Freitag im ökumenischen Festgottesdienst zum 375. Jubiläum des Augsburger Hohen Friedensfestes in der evangelischen Kirche St. Anna in seiner Predigt laut Manuskript. Es brauche die Verständigung auf einen Kompromiss und einen Vertrauensvorschuss, nicht selten entgegen der inneren Einstellung. „Mag sein, dass uns Menschen deshalb der Krieg näherliegt; ihn vom Zaun zu brechen ist einfacher, als ihn zu beenden.“

„Der Friede zwischen Kirchen, Religionen, Nationen, der Friede in der Gesellschaft ist zwar letztlich ein Gottesgeschenk, aber keine Selbstverständlichkeit“, sagte der Bischof weiter. Im Heiligen Land herrsche heute eine quälende Hungersnot. „Über zwei Millionen Menschen im Gazastreifen hungern: zum Spielball geworden zwischen der Hamas und der israelischen Armee.“ Für die Zukunft müsse dem Sicherheitsbedürfnis jüdischer Israelis als auch dem Selbstbestimmungsrecht der Palästinenser Rechnung getragen werden. Der Vatikan setze sich daher im Nahen Osten für eine Zweistaatenlösung ein.

Er denke außerdem an die Ukraine sowie die vielen afrikanischen, asiatischen und lateinamerikanischen Länder, ihre Armut und Konflikte, sagte Meier weiter. „Jeder Krieg ist ein Versagen der Menschheit und der Menschlichkeit, mit dem wir uns nie abfinden dürfen.“ Der Friede beginne im eigenen Herzen, und er müsse gestaltet werden. Es brauche weniger große Worte, sondern primär wirkungsvolle Taten und solide Strukturen, damit Krisen rechtzeitig bewältigt werden könnten. „Ein konstruktives Miteinander in gegenseitiger Verantwortung ist das Gebot der Stunde. Dann ist Frieden keine Utopie“, sagte Meier.

Das Friedensfest wird seit 1650 jedes Jahr am 8. August gefeiert und ist in Augsburg ein eigener gesetzlicher Feiertag. Am 8. August 1629 wurde den Protestanten in Augsburg die Ausübung ihres Glaubens untersagt. Erst im Westfälischen Frieden 1648, der das Ende des Dreißigjährigen Krieges markierte, erlangten sie die Gleichstellung mit der katholischen Kirche, wie sie bereits 1555 im Augsburger Religionsfrieden formuliert worden war. Seit 2018 ist das Friedensfest immaterielles Unesco-Kulturerbe.