Bericht: Steigender Hunger durch Klimakrise und Konflikte im Sahel
Nairobi (epd). Klimakrise und Konflikte treiben in der Sahelzone immer mehr Menschen in den Hunger und zur Flucht. Dies geht aus einem Bericht der Hilfsorganisation „International Rescue Committee“ (IRC) hervor, der am Montag in New York veröffentlicht wurde. Vor allem ländliche Regionen in den zentralen Sahelstaaten Mali, Burkina Faso und Niger seien durch politische Entscheidungen seit der französischen Kolonialzeit vernachlässigt worden. Deshalb seien Armut und Konflikte dort weitverbreitet und die Gemeinschaften besonders der Klimakrise ausgesetzt.
Die drei Faktoren verstärken sich dem IRC-Bericht zufolge gegenseitig. So leben etwa 80 Prozent der Familien in der Region von Landwirtschaft und Viehzucht und werden dadurch von den Folgen der Erderwärmung besonders hart getroffen. In der zentralen Sahelzone steigen die Temperaturen schneller als im globalen Durchschnitt und führen schon jetzt zu extremen Wetterereignissen wie langanhaltende Dürreperioden.
Auch die Fähigkeit, mit Krisen umzugehen, sinkt, weil Gemeinschaften immer weniger Zeit und Ressourcen haben, um sich zu erholen. Etwa 5,4 Millionen Menschen haben demnach im Zentralsahel nicht genug zu essen, ein Anstieg um über 500 Prozent im Vergleich zu 2014. Über 16 Millionen seien auf Hilfe angewiesen. Die Zahl der Vertriebenen stieg demnach auf fast drei Millionen Menschen von einer halben Million 2018.
Laut dem Bericht führte zudem die Abwesenheit staatlicher Strukturen und wirtschaftlicher Projekte in diesen Gebieten dazu, dass sich in den vergangenen Jahren vermehrt bewaffnete Gruppen ausbreiten konnten. Diese rekrutieren junge Menschen, die sonst keine Perspektive sehen. Die malische Regierung war 2022 nur etwa 15 Prozent des Staatsgebiets präsent.
Besonders hart treffe die Situation Frauen und Mädchen, hieß es in dem Bericht. Sie werden demnach auf den immer länger werdenden Wegen zu Wasserquellen immer häufiger Opfer sexualisierter Gewalt. Dazu komme, dass Mädchen die Schule seltener abschließen, um der Familie in Dürrezeiten zu helfen oder jung verheiratet werden.