Beraterin: Mehr Anfragen bei kirchlicher Konfliktberatungsstelle

Wenn Mitarbeitende in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau einen Konflikt am Arbeitsplatz erleben, stehen Helfer bereit: Die Zentrale Konfliktberatungsstelle trägt seit 25 Jahren zur Lösung von Konflikten bei - erfolgreich.

Friedberg (epd). Die Zahl der Beratungsanfragen bei der Zentralen Konfliktberatungsstelle der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) steigt. Im vergangenen Jahr sei mit 128 Anfragen aufgrund von Arbeitskonflikten ein neuer Höchststand erreicht worden, sagte die Konfliktbeauftragte Elke Breckner dem Evangelischen Pressedienst (epd). Im Jahr 2007 seien es noch 31 Anfragen gewesen. Die in Friedberg angesiedelte Stelle feiert an diesem Donnerstag in Darmstadt unter Teilnahme der Kirchenpräsidentin Christiane Tietz das 25-jährige Bestehen.

Den Anstieg der Beratungsanfragen führt Breckner auf verschiedene Ursachen zurück. Die Konfliktberatung sei im Lauf der Jahre bekannter geworden. Mehr Mitarbeitende trauten sich inzwischen, Konflikte anzusprechen und lösen zu wollen, sagte die Konflikt- und Organisationsberaterin. Andererseits führten die Verdichtung und Beschleunigung von Arbeitsabläufen und die Veränderung von Arbeitsfeldern zu mehr Druck und Unsicherheit. Die Beratung versuche, Konfliktbeteiligte so zusammenzubringen, dass diese konstruktiv miteinander sprechen und Widersprüche aushalten oder bewältigen können.

Kitas bitten am häufigsten um Beratung

„Ich bekomme jeden Tag Anrufe“, sagte Breckner. Darunter seien alle Berufsgruppen in der Kirche. Anlässe seien Konflikte zwischen Arbeitskollegen, mit Vorgesetzten oder zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen. Die häufigsten Beratungsanfragen im vergangenen Jahr (51) kamen von Kindertagesstätten, die Zahl hat sich zwischen 2021 und 2025 mehr als verdoppelt. „Die Kita ist ein System unter Druck“, erklärte Breckner. „Die Mitarbeitenden leisten Übermenschliches.“ Am zweithäufigsten kamen Beratungsanfragen von Pfarrerinnen und Pfarrern (21). Auch deren Zahl hat hat sich zwischen 2021 und 2025 mehr als verdoppelt.

Alle Klienten fanden Unterstützung nützlich

Die Konfliktberatungsstelle reagiert schnell. „Innerhalb von 24 Stunden kann jemand mit mir telefonieren, innerhalb von drei Tagen mit einem Berater sprechen, innerhalb einer Woche ein Beratungsgespräch in Präsenz führen“, sagte Breckner. Sie arbeite mit einem Netz von 40 freien Beraterinnen und Mediatoren zusammen. Die Rückmeldungen im vergangenen Jahr seien überaus positiv gewesen: Von 46 Rückmeldungen bezeichneten 30 die Unterstützung als sehr nützlich, neun als nützlich und sieben als in Teilen nützlich. Keine Rückmeldung gab unnütz an. 41 Rückmeldungen teilten mit, der Konflikt sei vollständig oder zum Teil gelöst worden. Nur fünf sagten, der Konflikt bleibe ungelöst.

Für eine gute Arbeitskultur empfahl die Konfliktberaterin: „Ordnung und Struktur hilft.“ Klare Rollen schafften eine gute Orientierung. Darüber hinaus seien Wertschätzung und Anerkennung wichtig. Eine offene Kommunikation und Wohlwollen gegenüber konstruktiver Kritik beugten Konflikten vor, ebenso die Förderung der Gemeinschaft unter Kolleginnen und Kollegen.