Aufruf zum Schutz von humanitären Helfern
Die Gewalt gegen humanitäre Helferinnen und Helfer war 2023 laut den Vereinten Nationen beispiellos. Vor allem im Gaza-Streifen wurden viele von ihnen getötet. Hilfswerke fordern einen besseren Schutz für die Menschen, die die Not anderer lindern.
Berlin, Bonn (epd). Entwicklungsorganisationen und die Vereinten Nationen haben zum Schutz von humanitären Helfern aufgerufen. Niemals zuvor seit Beginn der Erfassung seien so viele Beschäftigte von Hilfsorganisationen in einem Jahr bei der Ausübung ihres Berufes getötet worden wie 2023, erklärten die Vereinten Nationen zum Welttag der humanitären Hilfe am 19. August. Laut dem UN-Büro zur Koordinierung humanitärer Hilfe (OCHA) wurden im vergangenen Jahr 280 Helferinnen und Helfer in 33 Ländern getötet.
Die Diakonie Katastrophenhilfe verwies darauf, dass vor allem der Krieg im Gaza-Streifen zu einem sprunghaften Anstieg der Opferzahlen geführt habe. Den Preis für die Gewalt gegen Helferinnen und Helfer zahlten auch die Menschen in Not, sagte der Leiter der Organisation, Martin Keßler. „Wenn das Hilfe leisten zunehmend zur Gefahr wird, bleibt sie im schlimmsten Fall aus.“ Das dürfe angesichts von weltweit 120 Millionen Menschen auf der Flucht und 300 auf Hilfe angewiesene Frauen, Männer und Kinder nicht passieren.
Auch die Datenbank zur Sicherheit von Hilfspersonal (Aid Worker Security Database) hat für 2023 insgesamt 280 getötete Helferinnen und Helfer registriert. 272 stammten demnach aus dem Land, in dem sie gearbeitet haben, acht waren Ausländerinnen und Ausländer. In diesem Jahr seien bereits 187 Helferinnen und Helfer im Einsatz gestorben, 174 lokale und 13 internationale. Die Angaben gehen bis 1997 zurück.
Allein in den Palästinensischen Gebieten wurden 2023 laut der Datenbank 163 Helferinnen und Helfer getötet, im laufenden Jahr 121. Die meisten von ihnen sind laut den Vereinten Nationen bei israelischen Luftangriffen gestorben und standen im Dienst des UN-Hilfswerks für Palästinaflüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA).
Die Hilfsorganisation Care forderte ein Ende der Gewalt gegen Nothelfer, konsequente Strafmaßnahmen gegen die Verantwortlichen und mehr Unterstützung für lokale und von Frauen geführte Organisationen. „Die zunehmende Zahl gezielter Angriffe auf humanitäre Helfer:innen ist inakzeptabel“, erklärte der Generalsekretär von Care Deutschland, Karl-Otto Zentel, in Bonn. „Es ist ein schwerer Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht, jene Menschen ins Visier zu nehmen, die Leben retten.“
Keßler verwies darauf, dass die erhobenen Zahlen von den Organisationen gemeldet seien und nur einen Ausschnitt darstellten. „Wir müssen leider von einer hohen Dunkelziffer ausgehen.“ Dies gelte vor allem für Ländern, in denen sich die internationale Gemeinschaft mehr und mehr zurückziehe wie Myanmar oder Haiti. Besonders gefährdet seien dann lokale Helferinnen und Helfer. „Übergriffe gegen lokale Akteure müssen besser registriert, benannt und verurteilt werden, wie es in der Regel bei Attacken auf internationale Organisationen und deren Mitarbeitende passiert.“