"Allianz der Freiheit": Nato mit Westfälischem Friedenspreis geehrt
Dass ein Militärbündnis einen Friedenspreis erhält, ist ungewöhnlich. Die Nato habe den Preis des Westfälischen Friedens aber verdient, sagt Kanzler Merz. Sie sei eine "Allianz der Freiheit". Im Fokus steht bei der Verleihung der Ukraine-Krieg.
Münster (epd). Die Nato und die internationale Jugendbewegung socioMovens sind am Donnerstag in Münster mit dem Internationalen Preis des Westfälischen Friedens 2026 ausgezeichnet worden. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) rief in seiner Laudatio eindringlich zur Unterstützung der Ukraine und zu Eintracht und Stärke in Deutschland und Europa auf. Nato-Generalsekretär Mark Rutte hob in seiner Dankesrede die Bedeutung des Bündnisses für Sicherheit und Zusammenhalt hervor. Die Festveranstaltung wurde von kleineren Demonstrationen gegen die Verleihung des Friedenspreises an das Militärbündnis begleitet.
Merz nannte die Nato „eine Allianz der Freiheit“, die seit drei Generationen für Sicherheit und Frieden im euro-atlantischen Raum bürge: „Sie schützt unsere Sicherheit und unseren Wohlstand. Sie dient dem Frieden.“ Mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine stehe auch die Sicherheit Europas auf dem Spiel, „es geht auch um uns“, sagte der Kanzler. Es sei daher richtig, die Ukraine mit aller Kraft zu unterstützen. Falls es nicht gelinge, „Moskau Einhalt zu gebieten“, werde sich „die russische Kriegsmaschinerie früher oder später gegen uns, gegen die Nato selbst richten“, warnte er.
Merz: Deutschland will mehr Verantwortung tragen
„Wir wollen vor allem, dass Russland seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine beendet und zur europäischen Friedensordnung zurückkehrt“, sagte Merz. Dazu sei Russland heute nicht bereit. Daher dürften Deutschland und Europa nicht wanken, sondern müssten „fest bleiben“. Deutschland werde sich nicht spalten lassen - „nicht durch hybride Angriffe, nicht durch von Moskauer Bots gesteuerte Hetze in den sozialen Medien und auch nicht durch die Parolen der AfD und ihrer russischen Hintermänner“. Deutschland wolle in einem erneuerten Bündnis mehr Verantwortung tragen, das diene „unserer Freiheit, unserer Sicherheit und unserem Wohlstand“.
Auch der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) verteidigte in seiner Eröffnungsrede die umstrittene Vergabe des Friedenspreises an die Nato. Das westliche Bündnis beweise seit mehr als 75 Jahren, dass Stärke Frieden sichern könne, sagte er. Der Westfälische Friede von 1648, der den Dreißigjährigen Krieg beendete, habe die Grundlagen für eine internationale Ordnung gelegt, die bis heute Bestand habe, erklärte Wüst. Um Frieden zu schaffen und zu bewahren, brauche es Diplomatie und Vertrauen, aber auch militärische Stärke, die Krieg verhindern und Frieden bewahren könne.
„Krieg vor unserer Haustür“
Der russische Krieg gegen die Ukraine werde „vor unserer Haustür“ geführt, sagte Nato-Chef Rutte. Die Ukraine müsse weiter unterstützt werden. Russlands Präsident Wladimir Putin wolle „einschüchtern und herausfordern, aber es wird ihm nicht gelingen“.
Mit dem Jugendpreis wurde das Jugendnetzwerk „socioMovens - Giving Europe a Soul“ geehrt, das seit 2012 soziales Engagement, europäische Verständigung und eine werteorientierte Jugendkultur fördert. In internationalen Jugendcamps und Projekten wird der Geist eines solidarischen, friedlichen Europas vermittelt. Kardinal Michael Czerny, Migrationsbeauftragter des Heiligen Stuhls, würdigte in seiner Laudatio die Bedeutung von Begegnung, Bildung und sozialer Verantwortung für den Frieden. „Europa braucht moralische Orientierung“, sagte er. „Europa braucht seine Seele.“
Nato spendet Preisgeld
Der Internationale Preis des Westfälischen Friedens ist mit insgesamt 100.000 Euro dotiert und geht je zur Hälfte an die beiden Preisträger. Die Wirtschaftliche Gesellschaft für Westfalen und Lippe vergibt ihn in der Regel alle zwei Jahre für Engagement zur Erhaltung des Friedens und der Eigenständigkeit Europas. Das Preisgeld der Nato kommt einer gemeinnützigen Organisation in der Ukraine zugute.