Aktion "Ohne Rüstung Leben" feiert 40-jähriges Bestehen

Bad Boll/Karlsruhe (epd). Als Absage an den Glauben an die Macht von Waffen hat die badische evangelische Oberkirchenrätin Karen Hinrichs die Gründung der Aktion "Ohne Rüstung Leben" vor 40 Jahren gewertet. "Die Gründer setzten dem Geist der Aufrüstung die Botschaft Jesu entgegen: Selig sind, die Frieden stiften", sagte die Oberkirchenrätin am Wochenende in der Evangelischen Akademie Bad Boll (Kreis Göppingen) bei einer Tagung zur Entstehung der Initiative. 

Die Aktion "Ohne Rüstung Leben" wurde nach Akademie-Angaben im Herbst 1977 von acht Theologen um den damaligen Fellbacher Pfarrer Werner Dierlamm gegründet. Die Gruppe formulierte die doppelte Selbstverpflichtung: "Ich bin bereit, ohne den Schutz militärischer Rüstung zu leben. Ich will in unserem Staat dafür eintreten, dass Frieden ohne Waffen politisch entwickelt wird." Im April 1978 traten sie mit der Erklärung "An alle Christen" an die Öffentlichkeit und gewannen bis 1983 dafür 23.800 Unterzeichner und Mitstreiter, darunter viele Prominente und auch Nichtchristen.  

Hinrichs erinnerte in ihrer Predigt daran, welche vielfältigen Impulse aus dieser Aktion und der Selbstverpflichtung entstanden seien. "In den Kirchen wurde wieder über die Bergpredigt diskutiert und gefragt, wie sich Frieden wagen lässt", sagte sie. Es habe daraufhin zahlreiche Kampagnen, Einzelaktionen, Demonstrationen, Tagungen und Publikationen gegeben. 

Wenn die "Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN)" im Dezember den Friedensnobelpreis 2017 erhalte, geschehe dies stellvertretend auch für "Ohne Rüstung Leben", erklärte Hinrichs. "Und für die vielen anderen Menschen, die sich seit Jahrzehnten für das Verbot und die Abschaffung dieser entsetzlichen Waffen eingesetzt haben", so die Oberkirchenrätin.

"Ohne Rüstung Leben" war während des Kalten Krieges aktiv in der Friedensbewegung mit Fasten- und Schweigeaktionen, Demonstrationen und Blockaden vor Militärgeländen in ganz Deutschland. Nach dem Ende des Kalten Krieges engagierte sich die Aktion weiter gegen Atomwaffen, gegen Rüstungsproduktion und -exporte sowie für einen Zivilen Friedensdienst. Sie unterstützte Friedensfachkräfte auf dem Balkan und im Kaukasus.

"Ohne Rüstung Leben" wurde 2011 mit dem Göttinger und 2012 im Rahmen der "Aktion Aufschrei - Stoppt den Waffenhandel!" mit dem Stuttgarter Friedenspreis sowie dem internationalen deutschen PR-Preis ausgezeichnet. Auf der Tagung unter dem Titel "Friedenslogik politisch entwickeln - 40 Jahre 'Ohne Rüstung Leben'" in Bad Boll blickte die Initiative auf die vergangenen vier Jahrzehnte zurück und diskutierte mit den rund 45 Teilnehmern Zukunftsperspektiven.