Äthiopien und Eritrea feiern Grenzöffnung
Genf/Addis Abeba (epd). Die Regierungschefs von Äthiopien und Eritrea haben am Dienstag gemeinsam die Öffnung der Grenze zwischen den mehr als 20 Jahre verfeindeten Staaten gefeiert. Äthiopiens Stabschef Fitsum Arega twitterte Fotos vom Grenzübergang in Zalambessa, wo der eritreische Präsident Isaias Afewerki und der äthiopische Premier Abyi Ahmed gemeinsam mit Soldaten beider Armeen das orthodoxe Neujahrsfest feierten. Die Öffnung der Grenze gilt neben der Wiederaufnahme einer direkten Flugverbindung als wichtigster Schritt zur Normalisierung des Verhältnisses zwischen den beiden Staaten am Horn von Afrika.
Eritrea hat sich erst nach einem langen Unabhängigkeitskrieg 1993 von Äthiopien gelöst. Von 1998 bis 2000 führten beide Staaten Krieg gegeneinander, in dem mehr als 70.000 Menschen getötet wurden. Erst Anfang Juli dieses Jahres wurde der Kriegszustand offiziell für beendet erklärt. Möglich machte das die Erklärung Abiys, das strittige Grenzgebiet um Badme an Eritrea abzutreten und seine Truppen zurückzuziehen. Der 42-jährige Abiy hatte sein Amt Ende März angetreten und treibt seitdem die Aussöhnung innerhalb des Vielvölkerstaats Äthiopien wie auch mit Eritrea voran.
Bislang ist Äthiopien faktisch ein Einparteienstaat. Die ehemalige Befreiungsbewegung EPRDF ist seit dem Sturz des stalinistischen Regimes von Mengistu Haile Mariam 1991 an der Macht. Für die Wahlen 2020 hat Abiy faire Bedingungen und eine freie Abstimmung zugesichert. Für das autoritär regierte Eritrea wächst mit dem Reformkurs Abiys die Hoffnung auf eine Öffnung und die Abschaffung des teils jahrelangen Militärdiensts, der als Hauptgrund für Flucht gilt.