"Ärzte ohne Grenzen" bleibt trotz Angriff auf Klinik im Jemen
Frankfurt a.M. (epd). Die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" will auch nach der Bombardierung eines Krankenhauses im Jemen weiter in dem arabischen Bürgerkriegsland arbeiten. Wegen verschärfter Sicherheitsvorkehrungen müssten die Hilfsmöglichkeiten jedoch enorm eingeschränkt werden, sagte der Geschäftsführer von "Ärzte ohne Grenzen" in Deutschland, Florian Westphal, dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Mittwoch. Er forderte eine Aufklärung der Hintergründe des Angriffs.
Die Klinik in der umkämpften Provinz Saada wurde durch mehrere Luftschläge der von Saudi-Arabien angeführten Militärallianz am Dienstagabend zerstört. Ein Mitarbeiter wurde dabei verletzt. Die Patienten hatten das Gebäude rechtzeitig verlassen können. Erst Anfang Oktober war eine Klinik von "Ärzte ohne Grenzen" von der US-Luftwaffe in Afghanistan getroffen worden. Bei dem Angriff im umkämpften nordafghanischen Kundus waren 30 Menschen getötet worden, darunter 13 Mitarbeiter der Hilfsorganisation.
"Wir sehen mit allergrößter Sorge, dass zentrale Prinzipien des humanitären Völkerrechts nicht mehr eingehalten werden", sagte Westphal. Medizinische Einrichtungen und Gesundheitspersonal genießen unter den Genfer Konventionen auch im Krieg besonderen Schutz und dürfen nicht angegriffen werden. Weder in Afghanistan noch im Jemen hätten sich die Konfliktparteien daran gehalten, kritisierte Westphal. Auch in anderen Konfliktregionen zeige sich das.
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief die Konfliktparteien im Jemen auf, ihre Völkerrechtsverpflichtungen einzuhalten. Er verurteilte den Angriff auf die Klinik und forderte ein sofortiges Ende aller Kämpfe und Luftschläge. "Ärzte ohne Grenzen" erklärte, die Klinik sei mit dem Logo der Organisation auf dem Dach aus der Luft als Krankenhaus kenntlich gewesen. Auch die GPS-Daten zur Lage der Klinik seien den Militärs regelmäßig übermittelt worden.
Die Klinik war laut Unicef das 39. Gesundheitszentrum im Jemen, das seit Beginn des Bürgerkriegs 2013 zerstört wurde. "Im Jemen werden wohl mehr Kinder durch einen Mangel an Arzneimitteln und medizinischer Versorgung sterben, als durch Kugeln und Bomben", sagte der Direktor des UN-Kinderhilfswerks, Anthony Lake. Rund zehn Millionen Kinder seien auf humanitäre Hilfe angewiesen. Durch die Zerstörung der Klinik sind nach Angaben von "Ärzte ohne Grenzen" rund 200.000 Menschen in der Region ohne jegliche medizinische Hilfe.
Die Militärkoalition unter Führung Saudi-Arabiens geht seit dem Frühjahr im Jemen gegen die Huthi-Rebellen vor. Die Koalition aus mehreren Golf-Staaten unterstützt damit die Regierung des Jemen, die vor den Aufständischen geflohen ist. Rund 2,3 Millionen Menschen, zehn Prozent der jemenitischen Bevölkerung, sind nach UN-Angaben wegen der Kämpfe innerhalb des Landes auf der Flucht. Rund 121.000 Menschen flohen seit März in Nachbarländer.