Friedensbeauftragter: Ziel einer atomwaffenfreien Welt nicht aus den Augen verlieren

Das Ziel einer atomwaffenfreien Welt dürfe nicht aus den Augen verloren werden. Dies betonte der Friedensbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Friedrich Kramer, im Gedenken an den ersten Atombombenabwurf vor 81 Jahren auf die japanische Stadt Hiroshima.


„Leider erleben wir derzeit wieder eine Zeit des nuklearen Aufrüstens“, erklärt der EKD-Friedensbeauftragte. Viele Atommächte würden ihr Atomwaffenarsenal modernisieren und erweitern. „Das ist eine sehr bedenkliche Entwicklung. Umso wichtiger ist es, an der Perspektive einer atomwaffenfreien Welt festzuhalten und neue Schritte zu einer wirksamen Rüstungskontrolle zu eröffnen“, so Landesbischof Kramer. Er verwies in diesem Zusammenhang auf den aktuellen Bericht des schwedischen Friedensforschungsinstituts SIPRI, wonach es im vergangenen Jahr weltweit immer noch fast 12.200 Atomwaffen gab und immer mehr Staaten auf Nuklearwaffen zur Landesverteidigung setzen würden.


„Das Ziel einer atomwaffenfreien Welt rückt damit in immer weitere Ferne“, sagte der EKD-Friedensbeauftragte angesichts dieser weltweiten Entwicklung. Statt neue Impulse für eine nukleare Rüstungskontrolle zu setzen, werde immer häufiger sogar mit dem Einsatz dieser Massenvernichtungswaffen gedroht. „Gerade deshalb brauchen wir neue politische Initiativen und belastbare internationale Vereinbarungen, die Vertrauen schaffen und das Risiko eines atomaren Krieges verringern. Auch wenn die sicherheitspolitischen und friedensethischen Dilemmata groß sind, dürfen wir das Ziel einer Welt ohne Atomwaffen nicht aufgeben“, betonte Landesbischof Friedrich Kramer.


Gerade das Gedenken an die Opfer der Atombombenabwürfe 1945 auf Hiroshima und Nagasaki könne und müsse ein Anlass zum Innehalten sein, gibt der Theologe zu bedenken. „Die vielen unschuldigen Opfer mahnen uns, alles dafür zu tun, dass Atomwaffen eines Tages überwunden und abgeschafft werden. Zugleich stehen wir heute vor schwierigen friedensethischen und sicherheitspolitischen Herausforderungen, die verantwortliches politisches Handeln erfordern. Gerade deshalb brauchen wir den Mut, Wege zu mehr Vertrauen, Rüstungskontrolle und schrittweiser Abrüstung zu suchen“, macht Landesbischof Kramer deutlich.


Er forderte daher auch die Staatengemeinschaft auf, wieder Gespräche für eine nukleare Rüstungskontrolle aufzunehmen. „Anfang des Jahres lief mit dem New START-Vertrag das letzte verbliebene Abkommen zur Begrenzung von Nuklearwaffen aus, auch die NPT-Folgekonferenz vor wenigen Wochen in New York blieb ergebnislos. Umso dringlicher ist es, dass die Staatengemeinschaft – nicht nur die Atomwaffenstaaten – neue Initiativen ergreift, damit dieses Wettrüsten beendet und Vertrauen wieder aufgebaut werden kann. Frieden braucht den politischen Willen, Sicherheit gemeinsam zu gestalten“, so der EKD-Friedensbeauftragte.