Friedensverband warnt vor nuklearer Abschreckungsstrategie

Bonn, Mutlangen (epd). Zum 80. Jahrestag des Atombombenabwurfs auf Hiroshima hat die Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) vor neuen nuklearen Abschreckungsstrategien gewarnt. „Angesichts des russischen Krieges gegen die Ukraine, des Auslaufens fast aller Rüstungskontrollabkommen, der Schwächung von UNO und OSZE gilt militärische Gewalt wieder als akzeptables Mittel der politischen Auseinandersetzung“, sagte der AGDF-Vorsitzende Jochen Cornelius-Bundschuh am Mittwoch bei einer Gedenkfeier in Mutlangen. Auch das „nukleare Tabu“ gerate unter Druck.

Cornelius-Bundschuh bezeichnete nukleare Abschreckung als riskanten Weg. „Die Schlagkraft der Waffen wird immer größer, die Reaktionszeiten verkürzen sich immer weiter, die politische Verantwortung wird immer stärker an technische Systeme abgegeben.“ Die Politik müsse die „Dominanz des Militärischen“ einhegen, forderte der frühere Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Baden. „Dazu gehört eine klare Absage etwa an die Drohung mit und die Verwendung von Atomwaffen, an die Verwendung von Streubomben oder Landminen“. Zudem forderte er eine „eindeutig defensive Ausrichtung des Militärs, die Verpflichtung zur Einhaltung internationalen Rechts und die Verankerung des eigenen Handelns in internationalen Strukturen.“

Es müssten häufiger Handlungsoptionen wie Diplomatie, humanitäre Hilfe, Entwicklungspolitik, vertrauensbildende Maßnahmen oder eine zivile Konflikttransformation ins Spiel gebracht werden, mahnte Cornelius-Bundschuh. Die Logik der nuklearen Abschreckung müsse durch vertrauensbildende Initiativen und Plattformen für einen verlässlichen Austausch, durch Rüstungskontrolle und Maßnahmen der zivilen Konfliktbearbeitung begrenzt und eingehegt werden.

Der Aktionsgemeinschaft mit Sitz in Bonn gehören nach eigenen Angaben 32 Mitgliedsverbände an, die sich in den unterschiedlichen Feldern für Frieden engagieren.

Weit mehr als 200.000 Menschen in und um Hiroshima und Nagasaki kamen ums Leben, nachdem das US-amerikanische Militär am 6. und am 9. August 1945 Atombomben über den japanischen Städten abgeworfen hatte. Viele weitere Menschen starben noch Jahre später an den Folgen der Strahlung.